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selbe Skrupellosigkeit — wie der Gründer des Unter-
nehmens; infolgedessen ging das Geschäft zurück oder
ging in die Hände eines Schlaueren oder Glücklicheren
über. Bei den Fabriken lagen die Dinge ungefähr ebenso; und
nach dem Auftreten der Arbeiterorganisationen war die
Möglichkeit eines Streiks eine ewige Gefahr für die Renta-
bilität. Auch die Banken waren durchaus keine festen,
unveränderlichen Unternehmungen. Wie bei anderen
Mitteln zum Profitmachen hing auch bei ihnen die Aus-
dehnung der Macht und des Verdienstes von den obwal-
tenden Umständen und zum großen Teil von der Gunst
oder der Politik der Regierung ab. Die die Regierung
beherrschende Partei konnte jeden Augenblick wechseln
und im Bankwesen, im Zollwesen und in anderen Gesetzen
konnte eine diametral verschiedene Politik in Kraft gesetzt
werden.
Diese wechselnden Gesetze kamen freilich nicht den
Volksmassen zugute, denn sie wurden immer nur zu-
gunsten der einen oder der anderen Klasse von Besitzenden
gemacht, einer der streitenden Parteien zu genügen. Jeder
einzelne Kaufmann, jede Firma oder Aktiengesellschaft ver-
suchte die Konkurrenz aus eigener Kraft oder mit Hilfe der
Gesetze niederzuringen, und je nachdem ihnen das gelang
oder nicht, wechselten die Handelsprofite.
Der unverwundbare Grundbesitz
Der Grundbesitzer war der ruhende Pol in der Er-
scheinungen Flucht. Er konnte so viel Land kaufen, wie er
wollte, und damit machen, was er wollte. Er hatte die Ge-
setze, die er brauchte, und diese Gesetze waren unwandelbar.
Die Interessen aller Grundbesitzer waren identisch — die
der Händler waren verschieden und einander widerstrebend.
Die Grundbesitzer durften den Fortbestand der Grund-
gesetze über den Bodenbesitz annehmen, während der Ree-
der, der Fabrikbesitzer, der Bankier niemals wußte, was für
neue Gesetze der nächste Tag bringen würde.
Mehr noch: der Grundbesitzer hatte ein wirksames und
nie versagendes Hilfsmittel. Die Gesellschaft war sein Teil-