Full text : Kritische Geschichte der Nationalökonomie und des Socialismus

28

Wissenschaft  nehmen  wollte,  würde  gewaltig  irreal.  Die  blosse
Aufprilgiing  einer  verschulten  Ansdrucksweiso  macht  sicherlich
auch  keine  Wissenschaft,  sondern  wird  das  etwa  davon  Vorhandene ­
  nur  entstellen  und  verderben.  Sic  wird  die  Ansichten
der  Geschilftsleuto  und  Staatsmänner  im  besten  Falle  nur  geschmacklos ­
  und  ungeniessbar  machen,  gewöhnlich  aber  selbst
nicht  einmal  gehörig  zu  copiren  verstehen.  Wo  aber  das  Gerüst ­
  schulmässiger  Darstellung  nicht  ausartet,  sondern  einfach
seinem  Zweck  entspricht,  da  wird  ebenfalls  sein  blosses  Dasein
noch  weit  davon  entfernt  bleiben,  einem  an  sich  unvollkommen
verarbeiteten  Stoff  den  Charakter  einer  folgerichtigen  Wissenschaft ­
  zu  verleihen.  Dieser  Umstände  muss  man  eingedenk
bleiben,  wenn  man  sich  den  Versuchen  gegenüber  sieht,  den
erst  seit  dem  letzten  Jahrhundert  zur  Geltung  gelangten  Begriff ­
  einer  nationalökonomischen  Wissenschaft  in  die  Acusserungen
  derjenigen  Schriftsteller  hincinzutragen,  welche  unter
dem  Einfluss  des  Mercantilismus  schrieben.  Sehr  oft  haben
diese  Autoren  Auffassungen  entwickelt,  die  aus  dem  Zusammenhang ­
  ihrer  übrigen  Darlegungen  herausgehoben,  den  Schein
viel  tieferer  Einsichten  und  offenbarer  Vorwegnahmen  der
Hauptpunkte  neuerer  Systeme  erzeugen.  Sicht  man  aber  näher
zu  und  berücksichtigt  das  Ganze  ihrer  Darstellung  und  Denkweise, ­
  so  findet  sich  regelmässig,  dass  sie  nebenbei  und  in  einem
ihnen  selbst  unbewussten  Widersprach  auch  diejenigen  Hauptvorstellungen ­
  des  Mercantilismus  cultivirten,  welche  von  einem
ernstlich  veränderten  Standpunkt  aus  verworfen  oder  wenigstens ­
  eingeschränkt  und  berichtigt  werden  mussten.  Grade  die
Thatsacbe,  dass  diese  zerstreuten  Glieder  des  Richtigen  und
Falschen  neben  einander  liegen  konnten,  ohne  dass  ein  einheitlicher ­
  Körper  der  Wahrheit  an  zu  treffen  gewesen  wäre,  beweist
uns  deutlich  genug,  wie  die  Berufung  auf  gelegentliche  Vorstellungen ­
  und  Ausführungen  oder  gar  auf  einzelne  Stellen  nur
in  den  seltensten  Fällen  etwas  zu  entscheiden  vermöge.  Wo
es  nämlich  auf  die  Grundansichten  und  eigentlichen  Principien
ankommt,  wird  man  danach  zu  fragen  haben,  von  welchen  Vorstellungen ­
  sich  die  Schriftsteller  wirklich  leiten  Hessen,  und
man  wird  sich  nicht  dadurch  täuschen  lassen  dürfen,  dass  sie
bei  gewissen  Gelegenheiten,  wo  cs  die  grade  naheliegenden
Thatsachen  mit  sich  brachten,  fast  unwillkürlich  zu  andern  Aussprüchen ­
  und  Gesichtspunkten  gelangten.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.