Full text: Zwei Bücher zur socialen Geschichte Englands

732 
Belegstellen, 
Verschwendung und Vergeudung sind mir erzählt worden, in denen der 
Mann in das Wirthshaus gegangen ist, um mit einem Freunde zu frinken; 
und die Frau sich Gin oder Bier holen liess, um sich zu Hause mit ihrer 
Freundin zu amüsiren. Kin einziger Besuch dieser Verschwenderfamilien, 
die hohen Lohn hatten, wird Jeden überzeugen, dass sie selbst und ihre 
Häuser viel reinlicher und ordentlicher wären, wären sie nur an Fleiss, 
Enthaltsamkeit und Sparsamkeit gewöhnt.“ 
Seite 238. Mr. Henry Ashworth (Turton bei Bolton) erzählt von 
der Fabrikbevölkerung dieses Ortes Folgendes: 
„Bei der Einführung der Baumwollenmanufactur hatten die, welche 
Manufacturen unternahmen, nur beschränktes Capital; sie legten das ganze 
Geld für Fabriken und Maschinen an und waren ganz und gar absorbirt 
von dem zweifelhaften Erfolg ihrer eigenen Angelegenheiten. Darüber ver- 
zassen sie für die Bedürfnisse ihrer Arbeiter zu sorgen. Familien wur- 
Jen von allen Seiten durch die ihnen dargebotene Beschäftigung angezogen 
ınd genöthigt, sich in den Wohnungen zusammen zu drängen, wie sie sich 
eben in der Nachbarschaft darboten. Oft bewohnten zwei Familien ein 
Haus, andere kamen in Kellern oder sehr kleinen Wohnungen unter. Wenn 
die Fabriken rentirten, so mochte wohl der Eigenthümer es für vortheil- 
haft halten, einige kleine Häuser zu bauen; diese waren oft äusserst elend; 
in solchen Fällen war die vorwiegende Sorge nicht, die Gesundheit und 
Bequemlichkeit der Insassen zu bessern, sondern die grösstmögliche An- 
zahl von Häusern auf dem kleinsten Raume und mit den wenigsten Kosten 
zu bauen. Wir finden viele Rückseite an Rückseite gebaut, so dass die 
Möglichkeit eines hinteren Ausgangs ausgeschlossen ist. Leute, die 
herbeikamen, um sich die Existenzmittel zu verschaffen, hatten keinen 
anderen Ausweg, als diese Wohnungen zu beziehen. Was auch das 
wöchentliche Einkommen sein mochte, die Frau konnte ein solches Haus 
nicht wohnlich machen; sie hatte nur ein Zimmer für Alles, was sie zu 
{hun hatte. Es ist natürlich, dass der Männ die Bequemlichkeit in einem 
solchen Hause nicht fand, die er zu finden wünschte. Das Wirthshaus 
war dann sein einziger Zufluchtsort, Die in solchen Häusern auferzogenen 
Kinder kannten keine besseren Einrichtungen, auch hatten sie keine Ge- 
legenheit, bessere Hauswirthschaft zu sehen, Wenige der Frauen in die- 
sen Gegenden haben ja als Dienstmädchen gelebt, so dass es nicht 
auffallen kann, dass der grössere Theil so wenig Kenntniss besitzt, die ge- 
sellschaftliche Lage zu bessern, selbst wenn Geldmittel dazu vorhanden 
wären. Es muss zugestanden werden, dass die Einführung der Manufac- 
turen nicht mit Recht für das ganze Uebel verantwortlich gemacht wird. 
Um diese Zeit übte das Armengesetz einen höchst nachtheiligen Einfluss 
auf die arbeitenden Classen dadurch, dass es die Landeigenthümer und 
die Pächter veranlasste das Erwerben von Häusern zu verhindern, aus 
Furcht. dass die Insassen ein Recht auf Gemeindeversorgung erhielten.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.