Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Wiederherstellung des nationalen Rönigtums. 61 
spruch auf die Nachfolge, Karl Robert von Anjou aus dem 
französisch-⸗neapolitanischen Königshause als Enkel Marias, der 
Schwester des 1290 ermordeten Ungarnkönigs Ladislaus, und 
Wenzel III., der zwölfjährige Sohn des Böhmenkönigs 
Wenzels II., als Bräutigam der einzigen Tochter des verstor⸗ 
benen Königs Andreas. 
Für Karl Robert trat der Papst ein; zum Mithandeln 
berechtigt hielt er sich insofern, als er Ungarn als Eigen⸗ 
tum des heiligen Petrus betrachtete. Auf wessen Seite 
sollten sich nun die deutschen Fürsten und König Albrecht 
schlagen? Ihre Wahl schien entscheidend für die Zukunft Un— 
garns. Es ist bezeichnend, daß sie die päpstliche Partei nahmen. 
Freilich: nicht allein die Achtung vor der Kurie war dafür 
maßgebend. König Wenzel von Böhmen, der Vater des andern 
Prätendenten, war den deutschen Fürsten schon längst zu mäch— 
tig; seit dem Jahre 1300 hatte er seiner cechischen Macht mit 
ihrem Zubehör die Krone Polens hinzugefügt. Und Albrecht 
wußte sehr wohl, daß Wenzel im Grunde seines Herzens noch 
mmer nicht die habsburgische Macht in Osterreich als zu Recht 
bestehend anerkannte!. So benutzten die deutschen Mächte die 
ungarischen Wirren, um gegen Böhmen vorzugehen. König 
Albrecht forderte von Wenzel den Verzicht auf Ungarn, Krakau 
und Polen; auch nahm er ihm Meißen und das Oster⸗ und 
Pleißnerland, das ihm von Reichs wegen verpfändet war. Und 
als Wenzel Gegenvorstellungen erhob, rückte er kriegerisch in 
Böhmen ein. In diesen Wirren siarb König Wenzel im Juni 
1305, noch nicht vierunddreißigjährig, von Ausschweifungen 
erschöpft, an der Schwindsucht, und ihm folgte ein Jahr darauf 
im Tode, ermordet, sein junger Sohn, der ungarische Prätendent, 
amn 4. August 1806. Damit war das Haus der Przemysliden 
erloschen, neben die ungarische Erbfolgefrage trat eine 
RXR 
Vgl. Lindner, Geschichte des Deutschen Reichs unter König Wenzel 
l, 129; s. dazu Hovedissen Diss. Erl. 1891) S. 6 Anm. 1.
	        
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