126
Die Organisation.
für seinen Verwendungszweck verbürgt, und ob die Qualitätsstufung nach Klassen
so günstig getroffen wurde, daß, von der Betriebsseite gesehen, günstige Auflage
bedingungen erzielbar sind, von der Absatzseite her aber das Maß vernünftiger
oder berechtigter Anforderungen keine Einschränkung erleidet. Es ist dabei zu
beachten, daß die Sicherbarkeit der Qualität durch Aufstellung zweckmäßiger
Lieferbedingungen, Liefervorschriften und Prüfverfahren ermöglicht und gewähr
leistet wird, und daß durch Normung eine wirtschaftliche Auswahl und Beschrän
kung der Warensorten im Interesse von Hersteller, Verbraucher und Händler er
zielt wird“ 1 .
Bei den Arbeitsmitteln und Verfahren ist eine scharfe Grenze des organisatori
schen Bereichs nur schwer zu finden; gewisse Verfahrensweisen, ob handwerklich
oder automatisch, ergeben sich bereits aus der Wahl der Erzeugung oder der
Dienstleistung, so etwa, wenn sich der chemische Betrieb in gewissem Umfang oder
aus technischen Gründen nur apparativ vollziehen läßt. Jedoch schon die Wahl
der verschiedenen Erzeugungsarten und Erzeugungsmittel im technischen Be
reich wird eindeutig der Fabrikorganisation zugerechnet; Einzel-, Serien- oder
Fließfertigung, Spezialmaschinen, Universalaggregate oder marktgängige Werk
zeugmaschinentypen, Werkzeuggestaltung und Vorrichtungsbau, Transport
angelegenheiten (ob Krane, Gleisanlagen oder Flurkarren) und Bearbeitungsmög
lichkeiten (Drehen, Schleifen, Bohren, Schmieden, Pressen, Gießen, Schweißen),
sogar die Entlohnungsarten u. ä. sind Fragen, deren Beantwortung dem Fabrik
organisator übertragen ist. Sie sind selbstverständlich eindeutig organisatorische
Angelegenheiten der Auswahl und werden auch durch Aufstellung von Richtlinien,
Fahrplänen, Normalien, Tabellen, Qualitäts- und Bearbeitungsvorschriften organi
satorisch behandelt, indem auf diese Weise eine Trennung erwünschter oder un
erwünschter Verfahren und Mittel durchgeführt wird. So stellen sich auch die
Materialprüfungsämter, welche mit den feinsten Verfahren und Einrichtungen
arbeiten 1 2 , ferner die technischen Kontroll- und Revisionsbüros, die Aufsichts
beamten als Auswahlorgane dar mit der Aufgabe, die im Hinblick auf den Betriebs
zweck vorteilhaften Bedingungen in ihrer Entwicklung zu fördern und zu bevor
zugen, die nachteiligen aber möglichst vollständig herauszufinden und auszuschei
den. Sämtliche Fragen der Bestgestaltung der Arbeit, die von betriebseigenen und
-fremden Stellen bearbeitet werden, gehören hierher; sie sind in neuerer Zeit in
den Vordergrund der Erörterungen getreten 3 .
Genau so ist es im Bereich der mehr kaufmännischen Arbeit. Von der Wahl der
Auftragsführung (Fertigungs-, Versand-, Vorrats-, Lagerauftrag) über die der
Verrechnungsverfahren und Zahlungsbedingungen und die oft schwierigen Fragen
der Auswahl geeigneter Buchungsverfahren und -mittel bis zu der Entscheidung
für eine bestimmte Schreib- und Buchungsmaschinenmarke und die Gestaltung
des Arbeitsplatzes, eine Vervielfältigungs- oder Schriftart, ein Kurzschrift
system und eine Stempel- oder Federhalterform wird alles nach den gleichen
Grundsätzen positiver oder negativer Auslese behandelt 4 .
1 RKW-Veröff. Nr. 95, Jahresbericht 1932/33, S. 19/20.
2 Z. B.: Röntgenbestrahlung von Metallen zur Feststellung von Blasen, Lunkern, Rissen
und Einschlüssen. Neuerdings wird vorgeschlagen, an Stelle der Röntgenbestrahlung radio
aktive Stoffe zu verwenden, da sie ein größeres Durchdringungsvermögen besitzen, wie Ver
suche von Riehl und Berthold (bei der Auer-Gesellschaft) mit Gamma-Strahlen des Meso
thoriums nachwiesen; s. Techn. Blätter der DBZ. vom 22. April 1934.
3 S. z. B. die Tagung des RKW: Der Mensch und die Rationalisierung am 27. und 28. Fe
bruar 1931, wo Vorträge von Lipmann und Stein über diese Frage gehalten wurden. (Be
richt über diese Tagung, Berlin 1931.)
4 Die Buch- und Zeitsohriftenliteraturist voll von Darstellungen undllntersuchungen dieser
Art. Hier eine—natürlich nur ganz unvollständige — Blütenlese wahllos herausgegriffener
Artikel und Buchveröffentlichungen; Ullmann: Auswahl von Buchungsmaschinen, in „Die