3. Lagerung und Standardisierung
Die besonderen Einrichtungen, die der Ernte—
ewegung und Getreideausfuhr aus Kanada das
harakteristische Gepräge geben und jetzt in den ver—
einigten, Weizenpools ihre Krönung gefunden
zaben, sind auf dem Vorbild der Weizenanbau—
gebiete der Vereinigten Staaten aufgebaut. In
danada konnten die schon bei Beginn des Auf—
chwunges des Weizenbaues als Ergebnis lang—
ähriger Erfahrungen aus den Vereinigten Staaten
herübergenommenen Grundprinzipien des Trans—
»orts und der Lagerung in loser Schüttung und
der Vertretbarkeit deshalb einen besonders zu—
agenden Nährboden finden, weil dort die Voraus—
etzung für diese besondere Gestaltung des Ver—
kehrs mit Getreide noch schärfer ausgeprägt sind
als im Weizengürtel der Vereinigten Staaten. In
den drei Weizenprovinzen Kanadas besteht fast
uusschließlich Anbau von Sommerweizen und auch
zieser ist durch klimatische Verhältnisse beschränkt
iuf zwei oder drei raschwüchsige und frühreifende
Sorten, kein örtlicher Absatz, Produktion für Ver—
»rauch in weitentlegenen Absatzgebieten, deshalb
Sinstellung der gesamten Erzeugung auf die Aus—
uhr, und zwar die Ausfuhr entweder innerhalb
»reier Monate nach der Ernte oder im Mai, Juni
»es kommenden Jahres, da der Winter die Ver—
ehrswege in der übrigen Zeit versperrt. Obwohl
diese Bedingungen für die besondere amerikanische
Art des Getreidehandels in ihnen weniger scharf
ausgeprägt sind, sind die Vereinigten Staaten doch
ioch immer wie das Ursprungsland so auch weiter
das Land geblieben, in dem sich diese besondere Art
des Getreidehandels noch weiter entwickelte. Sie
vurde für den Verkehr mit allen landwirtschaft—
ichen Erzeugnissen vorbildlich.“ Die Gesetzgebung
sat in dieser Entwicklung nur zögernd und fast
päter eingegriffen als in Kanada und im wesent—
ichen nur die aus den Gepflogenheiten der Pro—
»uktion und des Absatzes herauskristallisierten
Srundsätze gesetzlich anerkannt und in einzelnen
Teilen vertieft. Die Grundlage der Entwicklung ist
»er Gedanke, auf dem die Landwirtschaft nur in
inem Neuland aufgebaut werden kann. Es ist der
Brundsatz, nur diejenige Produktion zu pflegen,
die unter den besonderen klimatischen und Boden—
derhältnissen des einzelnen Himmelstriches und der
dandschaft ihre besten Bedingungen findet, ein
Hrundsatz, der zur Entwicklung des Weizengürtels
— und dieser wieder geschieden nach Sommer- und
Winterweizen —, eines Maisgürtels, besonderer
Tabak- und Baumwollbaugebiete geführt hatte, ein
Hrundsatz, der in den Zeiten, in denen es galt, den
Weltmarkt zu erobern, Vorteile bot, jetzt aber in
der starken Abhängigkeit der Landwirtschaft ganzer
Bebiete von der Wertung des einzelnen Erzeugnisses
iuf dem Weltmarkt seine unangenehm empfundene
kückwirkung zeigte. Die Einstellung auf ein ein—
iiges Erzeugnis in dem einzelnen landwirtschaft—
ichen Bezirk nötigt zur Einstellung der gesamten
Lroduktion auf. den Absatz nach entfernten Ver—
zrauchsgebieten, Beschränkung der Erzeugung auf
hestimmte Sorten und Klassifizierung des Erzeug—
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Nr. 2785
rtisses durch öffentliche Organe, deren Gutachten
juf den Märkten allgemein Anerkennung finden
ind die Besichtigung des umzusetzenden Objektes
»der die Versendung von Proben entbehrlich
nachen und die Vermischung der unter die gleiche
Zualitätsnummer fallenden Mengen zZulassen.
die durch unparteiische Organe vorgenommene
NRualitätsausscheidung ermöglichte das Zusammen—
chütten der Getreidemengen in Sammellagern und
amit vereinfachte Vorgänge bei der pfleglichen Be—
andlung des lagernden Getreides, beim Entladen
ind Verladen, mit einem Wort: das Elevator—
ystem. Zu den Widerständen, die das System in
en Vereinigten Staaten zu überwinden haätte, ge—
örte der Aufbau der amerkanischen Landwirtschaft
zurch Siedler, die noch mehr als in Kanada aus
andwirtschaftlichen Gegenden der ganzen alten
Velt dorthin auswanderten. Diese Buntheit war
uicht geeignet, die Landwirtschaft von vornherein
iuf eine einheitliche Grundlage zu stellen. Die für
ie einzelne Landschaft, geeignetsten Sorten mußten
ich erst langsam durchsetzen, und auch jetzt noch
echnen die gesetzlich festgelegten Standards mit
iner großen Zahl von Varietäten, so
Weizenstandard J. Hard Red Spring, mit
24 Varietäten, die in drei Unterklassen
gruppiert sind,
Weizenstandard II, Durum, mit 11 Varietä—
ten in drei Unterklassen,
Weizenstandard III, Hard Red Winteér, mit
3 Varietäten,
Weizenstandard IV, Soft Red Winteér, mit
40 Varietäten?o).
In Kanada war die natürliche Entwicklung der
Zeförderung die Verladung mit der Bahn bis zum
beren Ende der kanadischen Seen und von dort aus
ie Verschiffung. In den Vereinigten Staaten
tand von vornherein der Überlandtransport im
zordergrund. Die Tatsache, daß der Transport
ber die Linien verschiedener Eisenbahngesellschaften
ehen mußte und die am Wege liegenden Städte in
em Bestreben wetteiferten, ein Knotenpunkt für
en Umschlag und den Handel mit Getreide zu
verden, beeinträchtigte den geschlossenen Fluß des
Ubtransportes. Dazu kommt, daß mehr und mehr
ie Verschiffung nach dem Ausland an Bedeutung
erliert und östlich anschließend an die Weizen—
ebiete sich stark bevölkerte geschlossene Industrie—
ebiete mit starker Aufnahmefähigkeit für Brot—
etreide entwickeln. Das führt dazu, daß Umsatz
on Getreide nach europäischem Muster auch vor—
ommt. Aber das als Ergebnis der ursprünglichen
entwicklung herausgebildete, System hat doch bei
veitem die Oberherrschaft und wird sie auch
auernd behalten.
Nationale Standards einheitlich für das ganze
vebiet der Union sind erst während der Kriegs—
eit eingeführt worden. Vorher hatte sich die Ge—
etzgebung der einzelnen Staaten mit der Frage be—
aßt. Erst ein Gesetz vom 11. August 1916 brachte
zie Vereinheitlichung, die es allein ermöglichte, den
78) Fachkunde. Beilage zum „Hansablum“ 1925 S. 94