Contents: Neueste Zeit (Abt. 3)

12 Dreiundzwanzigstes Buch. Viertes Kapitel. 
O, zeuch durch unfre Felder 
Und reinige das Land, 
Durch unsre Tannenwälder, 
Du Sturm, von Gott gesandt. 
Das Land ist aufgestanden — 
Ein herrlich Osterfest — 
Ist frei von Sklavenbanden, 
Die hielten nicht mehr fest. 
Wie lieblich klingt, wie heiter 
Der Losung Bibelton: 
Hie Wagen Gottes, Gottes Reuter, 
Hie Schwert des Herrn und Gideon. 
(M. von Schenkendorf.) 
Aber immer blieb es eine Frömmigkeit des Kriegers; 
innig verschlangen sich herber Patriotismus und Christentum, 
und der Gott, zu dem man schrie, war der Herr der Scharen 
des Kampfes. 
Es war eine Stimmung gleich der der Tiroler im Jahre 
des Heils 1809. Und wenn Max von Schenkendorf Andreas 
Hofer die Worte in den Mund legte: „Weil ich nach dem 
Himmel ziele, kann ich ird'schen Feind bezwingen“: so gab es 
wohl keinen norddeutschen Mann, der sich dieser Meinung nicht 
aus Herzensgrund verschrieben hätte. Dennoch hat die Stimmung 
von 1813 etwas Verschiedenes von der des Jahres 1809. 
Das religiös-sinnliche Moment fehlt fast ganz; wo die Tiroler 
Gnadenbilder in den Kampf führten gleich jenen Germanen, 
die in den Symbolen der Götter, die sie aus heiligen Hainen 
zum Schlachtfeld trugen, diese persönlich am Streite teilnehmend 
spürten, da erscheint in den Schlachten von 1818 nur das 
schlichte Zeichen des Kreuzes. So wird der ganze Ton in 
Norddeutschland herber und wilder: die deutsche Art erscheint 
nicht gemäßigt durch die lachende Natur des Südens und die 
reichen Kulturelemente einer zentraleuropäischen Lage. Was 
ihn unter diesen Umständen noch mäßigt, adelt und innerlich 
freilich am Ende über alle Empfindungen des Südens hinaus—
	        
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