fullscreen: Neueste Zeit (Abt. 3)

Bildende Kunst und Musik. 
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allen denjenigen als künstlerisch besonders hoch stehend er— 
scheinen, die ohne weiteren geschichtlichen Horizont nur dem 
aächsten praktischen Ziele der Kunst zueilen. Ihnen sind die 
hunten Reflexe der eigenen Schaffens- und Genußrichtung in 
der Vergangenheit ohne weiteres Anzeichen für Höhepunkte der 
früheren Entwicklung überhaupt. Und in dieser Auffassung 
wird sie die Tatsache wenig stören, daß es, von vorurteilsfreiem 
geschichtlichen Standpunkte her betrachtet, überhaupt keine Höhe— 
punkte der Entwicklung gibt, zu deren Entdeckung es der Wert⸗ 
urteile, und das heißt der Vorurteile irgendeiner kurzen Gegen— 
wart bedürfte. 
Wir werden daher, wenn wir jetzt Perioden des Gesamt— 
kunstwerkes in der Entwicklung der deutschen Kunst aufsuchen, 
dies tun, ohne damit über deren absolute Bedeutung etwas 
aussagen zu wollen. Eine wissenschaftliche Geschichtsbetrachtung 
kennt ja, abgesehen von der Reihenfolge der typischen Verlaufs⸗ 
stufen der seelischen Entwicklung, überhaupt nur relative Werte; 
und nur der vorübergehenden Praxis einer jeden Gegenwart ver⸗ 
bleibt die Aufgabe, für ihre besonderen und begrenzten Zwecke 
aus diesen relativen Werten absolute zu entwickeln, indem sie 
ie in ein bestimmtes Verhältnis zu ihren eigenen Bestrebungen 
zu setzen sucht. — 
Im Verlauf der deutschen Geschichte hat es vier Perioden 
eines Gesamtkunstwerkes gegeben: eine älteste etwa im 6. bis 
J. Jahrhundert, eine zweite etwa im 12. und 13. Jahrhundert, 
eine dritte etwa im 15. Jahrhundert und eine vierte im 17. 
und vornehmlich im 18. Jahrhundert. Es sind die Zeitalter 
des ausgebildeten germanischen Holzbaustils, der entwickelten 
romanischen Baukunst, der vollendeten Gotik und des Renaissance— 
stils, insofern er in Barock und Rokoko gipfelt. Von ihnen ist die 
erste nur schwer genauer datierbar; das aber ist sicher, daß sie, 
ihrem letzten Aushallen nach, jener sehr eigenartigen Entwicklung 
urzeitlichen Seelenlebens angehört, die wir als symbolisch be— 
zeichnen müssen. Wir haben auch von ihr nur noch geringe 
bauliche Überreste; doch können wir uns von ihrer Architektur 
mit Hilfe der Ausläufer im heimischen Holzbauernhaus und in
	        
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