70
4. Kapitel
wenig aus wie der erste, der überhaupt das Unternehmen
erst in der modernen Form ermöglichte.
Aber wie schon vorhin erwähnt, i'st das Bild
ein anderes, wenn dieses Kapital nicht aus der Arbeit
stammt, sondern aus Gewalttaten und Rechten, und
hier hat Sombart unbedingt recht, wenn er den größten
Teil des modernen Kapitals als historisch aus dem
Sammelbecken der Grundrente entstehend erklärt, d. h.
also aus durch Macht gefestigten Rechten.
Gewiß hat es, solange es Arbeitsteilung gibt, auch
Kapitalbildung durch Arbeit gegeben, aber die jeweiligen
Machthaber wußten, in direkter wie indirekter
Weise, aus diesen (Huellen durch Ansichreißen der Grundrente
so wirkungsvoll für sich zu schöpfen, daß dauernde
Wertbildungen nur bei ihnen angetroffen werden.
Venn die Kirche, und nicht nur die Kirche, sondern
auch das allgemeine Gefühl bis ins hohe Mittelalter
hinein den Zins als etwas Unberechtigtes verurteilte,
so war das nur konsequent' denn damals war
die Kapitalbildung nur zum geringsten Teil kristallisierte
Arbeit,- bei der großen Mehrzahl der Fälle
lag ihr Ursprung in Gewalt und Willkürakten der
jeweiligen Machthaber, oder sie war durch Umgehung
der von eben diesen Machthabern geschaffenen Gesetze
auf Schleichwegen entstanden- wir erinnern
nur an die Rolle des Judentums im Mittelalter. Somit
haftete, dem Gefühl nach, dem Kapital stets etwas
Unreines an, und wenn man dann diesem selben Kapital
auch noch das Recht zugestand, Zinsen zu tragen, so hieß
das gewissermaßen einUnrecht in Permanenz erklären.
Reben dem direkten Raube zieht sich nun noch
durch die ganze Geschichte der indirekte. Da werden