Vorwort des Verfassers.
Nicht ohne Bedenken unterbreite ich dieses kleine Buch
dem Urteil meiner deutschen Parteigenossen; es will nichts
anderes, als Theorieen, die ihnen seit langer Zeit in Fleisch und
Blut übergegangen sind, so klar wie möglich zusammenfassen.
In den Ländern französischer Zunge sollte diese Publication
eine Lücke ausfüllen: es fehlt da an einem neueren Werke über
den Collectivismus, das etwas mehr als eine blosse Agitationsbroschüre
und doch nicht ein umfangreicher, nichteingeweihten
Lesern schwer zugänglicher Wälzer ist. Aber bei der Ueberfülle
und dem Reichtum der deutschen socialistischen Literatur
— Ueberfülle und Reichtum, die unseren Neid erregen
würden, wenn wir Nationalisten wären, und die unseren Stolz
ausmachen, weil wir Internationalisten sind — verhehle ich
mir nicht, dass ein derartiges Werk in den Ländern jenseits
des Rheins nicht dieselbe Existenzberechtigung hat und nicht
gleichen Bedürfnissen entgegenkommt.
Indessen ist es vielleicht doch nicht unnützlich, eine Uebersetzung
herauszugeben, sei es auch nur deshalb, um unseren
deutschen Lesern die Verschiedenheit der Gesichtspuncte und
besonders der Darstellungsweise zu zeigen, die bei aller Gleichheit
der Lehre doch notwendig aus der Verschiedenheit des
Milieus und der socialistischen Traditionen entstehen muss.
So ist es z. B. unvermeidlich, dass in einem Lande wie
Belgien, wo infolge des Zusammenwirkens genugsam bekannter
Umstände das socialistische Genossenschaftswesen eine so bedeutende
Rolle spielt, die Erfahrungen, die Lehren, die Ideale,
die aus der genossenschaftlichen Praxis erwachsen, einen erheblichen
Einfluss auf die Zukunftsperspectiven der Theoretiker
und besonders auf die Beispiele ausüben, die sie wählen,