fullscreen: Die Social-Demokratie

Folgen des Atheismus. 
18‘J 
das man vielleicht wohl gar mit ihr theilen könne, ohne auch 
deßhalb auf dem politischen und ökonomischen Boden mit 
ihr zusammentreffen zu müssen. Die Social-De>nokratle hat 
den Kampf gegen jede Religion unternommen, um das Fun 
dament zu beseitigen, alls welchem die ganze sociale Ordnung 
beruht; dieses Fundament ist die göttliche Autorität. Bebel 
hat es ja im deutschen Reichstag am 17. Juni 1872 deut 
lich genug ausgesprochen, so daß ein Mißverständniß gar 
nicht mehr möglich ist. Er sagte: „Ist erst einmal die hinun- 
„lische Autorität untergraben, dann hört natürlich auch die 
„irdische Autorität sehr bald auf und die Folge wird sein, 
„daß auf politischem Gebiete der Republikanismus, auf öko- 
„nomischem Gebiete der Socialismus und ans dem Gebiete, 
„was wir jetzt das religiöse nennen, der Atheismus seine volle 
„Wirksamkeit ausübt" (Bolksstaat 1872, 56). Wem diese 
Erklärung noch nicht genügt, um den inneren Zusammenhang 
der atheistischen Weltanschauung mit den Zielen des Socia 
lismus herauszufinden, der vergleiche hiermit, was der „Volks- 
siaat" (1873, 33) in einer Recension des Jäger'schen Buchs: 
„Der moderne Socialismus" schreibt, das als Interpretation 
des Bebel'schen Diktums gelten kann: 
„Wer hat denn diese „großen Grundsätze des Rechts 
„und der Moral" geschaffen, wenn nicht jene „Mehr- 
„heit" in Berbindung mit den „höchst stehenden Persönlich- 
„leiten"? Warum nun soll nicht, was die eine „Mehr- 
„heit" geschaffen hat, die andere wieder abschaffen dürfen? 
„Es kann doch nur jedes Zeitalter über sich selbst dispo- 
„niren, und nicht über die zukünftigen Geschlechter! Kein 
„Grundsatz des „Rechts" und der „Moral" der uns von 
„den Ahnen überkomnien, ist bindend für uns. Wir können 
„ihn acceptiren oder auch nicht, je nachdem es das sociale 
„Bedürfniß erheischt. „Unrecht und Unsittlichkeit werden
	        
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