Full text: Die Staatsausgaben von Großbritannien, Frankreich, Belgien und Italien in der Vor- und Nachkriegszeit

57 
Der Gesamtbetrag der aus der Kredithilfe des Auslandes sich ergebenden auswärtigen Schuld belief 
sich. am 1. Januar 1919 auf 29,3 Milliarden Goldfranes; davon entfielen auf die Dette Commereiale 
6198 Millionen fr. und auf die Dette Politique 23 122 Millionen fr. Die Dette Politique bezieht sich mit 
11,3 Milliarden fr. auf die Vereinigten Staaten und mit 11,8 Milliarden fr, auf Großbritannien, die Dette 
Commereiale mit 2,8 Milliarden fr. auf die Vereinigten Staaten und mit 2.1 Milliarden fr. auf Groß- 
britannien*). 
Zusammenfassend ist über die Kriegsfinanzierung festzustellen: 
1. Frankreich ging mit einem veralteten, in Umgestaltung begriffenen Steuersystem in den Krieg; 
eine wirksame Durchführung der Reformgesetze war während des Krieges unmöglich. Die Folge hiervon 
war, daß die Steuern im Kriege nur die Ausgaben für die Zivilverwaltung und die Hälfte der für den 
Schuldendienst benötigten Summen decken konnten. 
2. Fast die ganze Last der Kriegsfinanzierung ruhte auf dem Staatskredit. Die starke Inanspruch- 
nahme der Bank von Frankreich durch den Staat sowie die Möglichkeit der Diskontierung der »Bons 
der nationalen Verteidigung« bewirkte, daß die Notenausgabe nicht mehr nach den Bedürfnissen der 
Volkswirtschaft, sondern entsprechend dem Geldbedarf des Schatzamtes erfolgte.. 
3. Der große Einfuhrbedarf an Lebensmitteln, Rohstoffen und Kriegsmaterial wurde durch die Auf- 
nahme von Schulden im Ausland finanziert. 
Die Kriegsfinanzierung 1914 bis 19182). 
1. Steueraufkommen und sonstige laufende Einnahmen ........................... 26,2 Milliarden Papierfr. 
2. Anleihen: und Bankvorschüsse:........... 7 DE az 126 * 
davon: 
1. bis 4. Kriegsanleihe .................4...4. 55,7 Milliarden Papierfr. 
Vorschuß der Bank ee are A Fee He 2 » » 
Bons u. Obligationen der nationalen Verteidigung. 35,9 » . 
3. Äußere Schuld er... 0r ee Ken .,... 29,3 Milliarden Goldir. 
Fisk?3) gibt über die Kriegskosten Frankreichs und deren Deckung folgende Aufstellung: 
{918 1014 1015. 1016 "1917 1988 Ir 
Li. Einnahmen aus Steuern, Steuermonopolen und in Millionen Dollar Vorkriegskaufkraft*) 
Betriebsverwaltungen ..................41«%w+ 1 860 706 506 451 407 338 2.408 
2. Schuldaufnahme .-.... 00.44 r ren nn an H 36° 1061 25067 2427 2519 221310816 
Insgesamt „004 "806. ATOT- 3102. 2678 2926 2551 13224 
Betrachtet man die Ausgaben des Jahres 1913 in Höhe von 896 Millionen Dollar Vorkriegskaufkraft 
als die Ausgaben eines Normaljahres, so erhält man durch Abzug dieser Normalausgaben von den- 
jenigen der einzelnen Kriegsjahre die jährlichen reinen Kriegskosten, deren Höhe aus folgender 
Übersicht zu ersehen ist: 
1914 1915 1916 1917 1918 1914 bis 1918 
in Millionen Dollar Vorkriegskaufkraft *) 
871 2206 1 982 2.030 1655 8 744 
Hieraus ergibt sich, daß die gesamten Kriegskosten Frankreichs durch Schuldaufnahmen gedeckt 
wurden, und daß auch noch 46 vH der »Normalausgaben« während der Kriegszeit durch Schulden 
finanziert wurden. 
Ill. Die französische Finanzwirtschaft nach dem Kriege bis Ende 1924. 
a. Die formelle Ordnung der Finanzwirtschaft. 
Die Budgetgebarung Frankreichs nach dem Kriege war von dem Grundsatze geleitet, die dauernden, 
für die Inganghaltung der Staatsmaschinerie notwendigen Staatsausgaben in einem Budget General zu- 
sammenzufassen, die Aufwendungen für die Wiederherstellung der Kriegsschäden dagegen in einem 
Spezialbudget mit den Reparationszahlungen Deutschlands zu verrechnen. So schuf man für das 
Rechnungsjahr 1920 neben dem ordentlichen Budget und dem Budget Extraordinaire, das alle durch 
ordentliche Einnahmen nicht mehr zu deckenden und den Wiederaufbau nicht betreffenden Ausgaben 
1) Annuaire Statistique de la France, 1921, 8. 371. 
») Vgl. 8. 654. 
)-Fisk, aa. 0: 
‘) Bei Fisk über den Großhandelsindex umgerechnet.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.