fullscreen: Geschichte der großen amerikanischen Vermögen (Bd. 1)

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Meister und Lehrling 
Geschäft und Meister zu verlassen war für den Lehrling 
dem Gesetz nach ein Verbrechen; wurde er eingefangen, 
30 setzte man ihn ins Kittchen, bis der Meister ihn abholte. 
Wie sehr der Meister ihn auch mißhandelte — der Lehrling 
hatte vor dem Gesetz keine Rechte. Fast jeden Tag erschien 
in den Zeitungen des 18. und teilweise noch im 19. Jahr- 
hundert eine Änzeige, daß jemand eine Belohnung für die 
Wiederergreifung eines entlaufenen Lehrlings!) aussetzte; 
nach den Zeitungen von Pennsylvanien, New York und 
anderen Kolonien müssen damals Tausende dieser Lehrlinge 
ihrer Knechtschaft entlaufen sein. Die ausgebotenen Be- 
lohnungen schwankten zwischen 5 und 20 Dollar. 
Auch da, wo der Theorie nach im Zivilrecht gleiches 
Recht für alle bestand, war die Prozeßführung (absichtlich 
oder nicht) so kostspielig gemacht, daß die Justiz in Wirk- 
lichkeit ein Zeitvertreib war, wobei der Reiche den Armen 
mit Leichtigkeit aus dem Felde schlug. Ich will jedoch 
hier nicht lange über den nichtswürdigen Schwindel reden, 
die Rechtsprechung zu einem kostspieligen Luxus zu machen 
und dem Volke noch obendrein vorzureden, vor dem Ge- 
setz seien alle gleich. Was uns hier mehr interessiert, 
ist die Tatsache, daß die Gesetze darauf hinausliefen, den 
Reichen noch mehr zu bereichern und den Armen noch mehr 
auszupowern. Zur selben Zeit, als der Besitz aufgeklärten 
Anträgen auf Aufhebung der Schuldhaft, auf Zuerkennung 
eines Pfandrechtes auf das Produkt an den Handwerker und 
Erweiterung des Stimmrechtes energischen Widerstand ent- 
gegensetzte, brauchte er die öffentlichen Gelder für seine 
privaten Unternehmungen. Aus Werken, die sich mit 
jener Zeit beschäftigen, gewinnt man nur selten einen 
Einblick in die Methoden der Handelsklasse. Die Wahrheit 
°rfährt man höchstens aus Walter Barretts (der selber sech- 
zig Jahre lang im Handel tätig war) konventionellem, aber 
interessantem Buche „Die alten New Yorker Kaufleute‘. 
2) In Ostelbien noch heute üblich. Siehe „Berliner Tageblatt“ Nr, 377 vom 
28. Juli 1913, Seite 3, Spalte 1. (Anmerkung des Übersetzers.}
	        
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