D. Yetämpfung des Geburtenrückgauges 58
Die Aufgaben der fozialen Fürforge und Wohlfahrtspflege in Stadt
and Land wachjen ftetig an Inhalt und Umfang. Das Hat verfdhiedene
Sründe, und zwar foldhe unerfreulider und erfreulidher Art. Bornehmlich
At e8 Die induftrielle und [tästijdhe Entwidlung, die eine Reihe neuer Ge-
‘ahren und Schwierigkeiten wirtfchaftlicher, fittlidher und jozialer Art
jerbeigeführt Hat und tagtäglich neuverurfacht. In zweiter Linie kommt
aber au die erhöhte Einfidht in die gefelljHaftliden Zufjammenhänge
und die Erlenntniz der Möglichkeit und der Mittel der Abhilfe zur Gel-
ang, zugleich mit einem feinern jJozialen Empfinden und dem gefteigerten
Sefühle der Verantwortung und Pflicht, fein Beltes einzujeben, um Die
Notjtände und Gefahren. zu mindern, den berechtigten Klagen Abhilje zu
“haffen. So gefchieht in den großen ftästijchen Kommunen recht viel {o-
wohl von feiten der Gemeinde als auch feitens privater Organifationen. Was
nur fehlt, ift die einheitlide Organijation, die zielbewußte Zujammenarbeit
dei gleichzeitiger wohliberlegter Arbeitsteilung, in gegenfeitiger Ergänzung
der gemeindlichen und privaten, der beamteten und freien Fürforgearbeit.
Während vielleicht auf dem einen Gebiete ein Überangebot der Kräfte
und eine ungefunde Konkurrenz befteht, verfagt anderwärts die Hilfe.
Schlimmer no ift der Mangel an Mitteln und Kräften in den Neinjtäd-
ideen und Landgemeinden. Hier muß der Kreis (Landrat) als Träger der
Wohlfahrtspflege die Sammlung und Organijation der Kräfte in die Hand
nehmen und der Stoat durch reichere Zuwendungen wirkfjamı nachhelfen.
In und nach dem Kriege vermehrt ih noch die Fülle und Dringlichkeit der
Aufgaben. So erjdheint die Forderung eines „Kreisfär]orge-
jefe ße 3“, die Kabinettsrat Dr.v.Gehr-Pinnow auf der dritten preußifchen
Zandeskonferenz für Säuglingsjhug 1916 ftellte, wohl gerechtfertigt.
Er verlanat für jeden Kreis die Errichtung eines „Kreizfür|orge-
ımte8“, in den: alle Wohlfahrtsarbeit ihre Zufammenfafjung finden
oil. € foll anregen, organilieren, unterftüken. v. Behr-Pinnow geht in
»xjter Linie von den Bedürfniffen der Säuglingsfürjorge aus und denkt
‚or allen an die gefundHeitlidhen Aufgaben: Bekämpfung der Säuglings-
iterblichfeit, der Tuberkuloje, der Wohnungsnot ufjw.; er jhlägt deshalb
die Leitung durch einen Kreisfürforgearzt vor. Aud) die Yufgaben der
Schuldygiene, der Auflicht über die unehelihen und Ziehlinder, der Be-
ratungöftellen zur Bekämpfung der Gejdhledhtstkrankheiten, des Altoholis-
mug ufw. legen denfelben Gedanken nahe. Dem würde die Benennung
Rreis-GefundhHeitsamt entfpreden. Dem Arzt jollen be-
‘oldete Kreisfürforgerinnen, die befonder8 vorgebildet find,
zur Hilfe unterftellt fein. In allen diejen Aufgaben der Säuglingsfürforge,
ber Schulpflege, der Armenverwaltung (Waijenfürforge und Familien-
aflege), der häuslidhen Ausbildung, der WohHnungsaufficht, der Zütigkeit
418 ToltzeAfiftentin ul. bietet Tich zualeich Für untere Töchter und rauen.