Object: Warum reisen Arbeiterdelegationen nach Sowjetrußland?

lichen Wachstum der USSR. und des immer schärfer zutage tretender 
schleichenden Uebels im Wirtschaftsleben der kapitalistischen Länder 
wurde es jedoch immer schwieriger, das internationale Proletariat mit 
den „Leiden der russischen Revolution‘* zu schrecken. Sogar die 
weißgardistischen Lieferanten „authentischen‘” Materials sind nicht mehr 
imstande, die Tatsache zu widerlegen, daß der Wohlstand der Werk- 
tätigen in der USSR. zunimmt. Neuerdings hat man sich jedoch eine 
neue „Theorie‘ ausgedacht: Die Sowjetwirtschaft und das Lebens- 
niveau der Massen bessert sich gegen den Willen der Bolschewisten 
und der Gewerkschaften der Sowjetunion. Aber keiner der „Theo- 
retiker‘ hat bisher klar und eindeutig erklären können, was eigentlich 
dies „gegen den Willen‘ bedeutet. Nebenbei gesagt, interessieren sich 
die Arbeiter sehr wenig für die sozialdemokratischen Analysen, für 
sie ist es von Wichtigkeit, daß sich die wirtschaftliche Lage bessert. 
und wer daran „schuld‘ ist, das wissen sie sehr gut. 
Nach soviel Jahren systematischer Lügennachrichten der bürger- 
lichen und kompromißlerischen Presse hat das objektive Zeugnis der 
Delegationen nach der USSR. einen besonderen Wert, 
Wir beginnen mit dem Berichte der englischen Delegation: 
„Mitglieder unserer Delegation, die mit der Delegation von 1920 
in Rußland waren, machten uns Mitteilungen, die den grellen Kon- 
trast erkennen ließen zwischen der jetzigen Lage dieser Menschen auf 
den Stationen und den Verhältnissen zur Zeit ihres vorigen Besuches.‘ 
(Off, Ber, Seite XVIII,) 
„Während ich nicht behaupten kann, daß mich die allgemeinen 
Verhältnisse in den Bergwerken befriedigt haben, sind ‚dennoch unter 
dem System des Staatseigentums Reformen durchgeführt worden, für 
die wir in Großbritannien jahrelang agitieren und die wir noch nicht 
durchgesetzt haben.‘ (Off, Ber, S. 228.) 
Kategorischer ist die Erklärung der deutschen Arbeiter, deren 
wirtschaftliche Lage bedeutend schlechter ist als die der englischen: 
„Der russische Durchschnittsarbeiter lebt schon heute nicht 
schlechter als der deutsche. Ihm steht zweifellos eine größere Menge 
von Lebensmitteln zur Verfügung, Dagegen ist er in bezug auf Woh- 
nung und Kleidung dem deutschen Arbeiter gegenüber noch zurück, 
Er braucht keine Sozialversicherungsbeiträge zu zahlen, da dieselben 
vom Betrieb getragen werden, Er kann in den großen Schlössern und 
Villen seinen Erholungsurlaub verbringen, Die Regierung sorgt für 
einen vorbildlichen Arbeiterinnen- und Wöchnerinnenschutz. Die 
Kinder erfreuen sich einer besonderen liebevollen Fürsorge und Er- 
ziehung im sozialistischen Geist, Der Arbeiter bezahlt erst bei einem 
Einkommen von 75 Rubel Steuern, Die Bauern haben das Land der 
Großagrarier erhalten. Die Regierung bringt durch den Bau eines 
großen Netzes von elektrischen Stationen neue Kultur auf das 
Dorf, Kunst und Wissenschaft sind in den Dienst des Proletariats 
gestellt, Der russische Arbeiter hat in den letzten Jahren einen un- 
geheuren kulturellen Aufschwung genommen, seine politische Schulung 
ist gleichfalls sehr‘ hoch, In der Industrie, die gegenüber der deut- 
schen infolge der zaristischen Erbschaft zum Teil noch rückständig 
und technisch unentwickelt ist, macht sich eine starke Aufwärts- 
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