Object: Grundsätze der Volkswirtschaftslehre

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I. Buch. Production und Consumtion. 
eingenommen ist und deshalb den Spitznamen Jean Potage erhalten hat, 
wurde dem Deutschen, der seine Vorliebe für Würste aller Art nicht verläugnen 
kann, unter Ilmstanden gern der eines Hanswurstes beigelegt. 
Es ist nicht ohne großes Interesse, zu verfolgen, welche Gründe für die 
mannigfachen Verschiedenheiten und Veränderungen auf diesem Gebiete maß 
gebend sind, aber man darf die Wichtigkeit derselben nicht übertreiben. Lehr 
verschiedene Arten der Ernährung sind der Gesundheit förderlich, und bis zu 
einer gewissen Grenze bedingt die Nahrung eines Volkes nur in geringem Maße 
dessen Wohl- oder Uebelbefinden. Wohl aber ist Beschaffenheit der Nahrung 
und die Menge, in der sie genoffen wird, zum guten Theile die Folge der 
bei einem Volke herrschenden gesunden oder kranken socialen Verhältnisse. 
Die nationalen Gerichte, wie sie in den verschiedenen Ländern mit Vor 
liebe genossen werden und die hauptsächlichste Nahrung der großen Maffe der 
Bevölkerung bilden, sind in der Regel den Umständen angepaßt und werden 
auf Grund langer Erfahrungen bevorzugt und mit überlieferter Geschicklichkeit 
bereitet. So ist es z. B. mit den russischen Lieblingsspeisen, den Fischpasteten 
und der Kohlsuppe, mit den Knödeln der österreichischen Alpenländer und 
Bayerns, den Maccaroni Neapels und dem pot au feu der Franzosen. 
Das Kochen muß, wie andere nützliche Verrichtungen, erlernt werden. So 
geschieht es denn, daß eine Desorganisation des Familienlebens, welche die 
Frau der niedern Stände der häuslichen Arbeit entzieht und ihr keine 
Zeit läßt, die jungen Mädchen in den Beschäftigungen des Haushaltes zu 
unterweisen, auch eine verschlechterte Ernährung und eine minder schmackhafte 
Bereitung der Speisen im Gefolge hat. Besonders in den Vereinigten Staaten 
von Amerika geschieht es häufig, daß die Leute auf den Genuß von Conserven 
und ranzigem Speck angewiesen sind, und oft begnügt sich die Arbeiter 
bevölkerung auch der europäischen und besonders der deutschen Jndustriebezirke 
mit kalter Kost und geistigen Getränken, statt wenigstens die Volksküchen 
— die freilich auch noch lange nicht in genügendem Maße vorhanden sind 
aufzusuchen. Dieselben vermögen freilich, wenigstens hinsichtlich des heilsamen 
sittlichen und socialen Einflusses, durchaus nicht das gemeinsame Mittagsmahl 
der Familienglieder am häuslichen Herde zu ersetzen. 
In gewissen Fällen ist die ungeeignete Ernährung der niedern Volks 
klassen auf die allertraurigsten Ursachen zurückzuführen. Dieselben haben zur 
Folge, daß viele bedauernswerthe Menschen wirklich ganz ungenügende, schlecht 
bereitete oder direct ungesunde Nahrung zu sich nehmen müssen. Dahin gehört 
es z. B., wenn die Salzpreise infolge des staatlichen Monopols in Italien und 
in Indien so hoch sind, daß die Armen diese unentbehrliche Würze nur äußerst 
sparsam verwenden, oder wenn die Organisation der Landwirtschaft in der Lom 
bardei eine so üble ist, daß die schlecht bezahlten Landarbeiter von verdorbenem
	        
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