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Handelspolitik
und Anleihen
Für uns bleibt
nichts übrig
Der Reichs
kanzler
stehlt sich Firmen und Erfindern, die was
liefern wollen. Offert, unt. 8. E. 303 an die
Exped. dies. Zeitung." —
Der deutsche Reichsschatzsekretär: „Bülow
hat's leicht, hohe Politik zu machen, wenn
ich den Buckel herhaltet: muß. Er muß mit
dem schlechten Zolltarif leidliche Handels
verträge zustande bringen und macht das einfach
mit Protektion russischer Anleihe. Für 500
Millionen läßt sich jeder das bißchen Veterinär-
Polizei gefallen. Er hat jetzt den Platz
an der Sonne. Und ich sitze im Schatten der
Finanznot. Trotzdem schwitze ich. Jetzt wäre
eine so schöne Zeit für mich. Das Publikum
hat Geld für seine Coupons bekommen und
könnte schon ein bißchen was in neuen Anleihen
anlegen. Das geht nun alles in die russische
Tasche, die Bülow aushält. Wir kommen im
März, vielleicht auch ein paar Tage früher,
wenn die Moneten wieder knapp sind. Müssen
die Sache ja erst im Reichstag durchschwatzen
lassen. Für Finanzen zweifellos Absolutismus
das allerbeste. Hab's in Bayern zwar anders
gelernt. Geht aber doch am schnellsten. Zug
um Zug. Vor Neid könnten einem ordentlich
dieAugen übergehen. Mir hilft kein Mendelssohn.
Wenn ich emittieren will, setzt man mir nicht
den Privatdiskont in einem fort herunter und
macht gutes Wetter. Im Gegenteil, wenn man
ahnt, daß ich komme, setzt man mir die Anleihen
herunter und den Diskont herauf. Und bei
den Konferenzen hat man tausenderlei Bedenken,
als ob die Wilhelmstraße am Bosporus läge.
Das Vertrauen zur Finanzlage der Staaten
scheint bei unseren Bankleuten im Quadrat der
Entfernungen zu wachsen. O Bülow! Bülow!
Nur eine Bitte habe ich: Pump nicht auch noch
den Ungarn."
Der Reichskanzler: Quid sit futurum cras,
fuge quaerere . . . (Büchmann Seite 411) fellx,
qui potuit rerum cognoscere causas (Büchmann
Seite 402) .... Wächst mir ein Kornfeld in
der stachen Hand? (Büchmann Seite 228) . . .