Object : Der Zucker im Kriege

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Daß  für  diese  Zwecke  größere  Zuckermengen  dem  unmittelbaren  Verbrauche ­
  entzogen  worden  wären,  ist  nicht  bekannt  geworden.
Im  Ausfuhrgeschäft  bildete  Zucker  ein  wertvolles  Kompcnsationsobjckt
  im  Verkehr  mit  den  nordischen  Staaten  und  der
Schweiz.  Die  von  der  Reichsregierung  kontrollierte  Ausfuhr  hielt
sich  jedoch  in  normalen  Grenzen.  Die  vielseitige  Verwendung,  die
Zucker  im  Betriebsjahre  1914/15  gefunden  hat,  hatte  bis  zum  Ende
des  Betriebsjahres  die  Bestände  erheblich  vermindert.  Von  den
4  000  000  dz  Beständen  am  1.  September  1914  und  der  Gesamterzeugung ­
  des  laufenden  Betriebsjahrcs  im  Betrage  von  über
25  000  000  dz  verblieben  am  31.  August  1915  in  den  Zuckerfabriken
und  amtlichen  Niederlagen  rund  6  000  000  dz  Rohwert  und  im
Hamburger  Freihafen  rund  300  000  dz  Rohwert.  Hierbei  wäre
freilich  zu  berücksichtigen,  daß  die  im  freien  Verkehr  befindlichen  Verbrauchszuckermengen ­
  wohl  erheblich  größer  waren  als  am  gleichen
Zeitpunkte  des  Vorjahres.
Die  gesetzliche  Regelung  des  Verkehrs  mit  Brotgetreide  und
Mehl  und  die  damit  verbundene  Rationierung  hatten  die  Bevölkerung
im  Frühjahr  1916  auf  die  reichlichere  Verwendung  anderer  Lebensmittel ­
  hingewiesen.  Der  Rückgang  der  Erzeugung  und  die  beginnende
Beschränkung  der  Einfuhr  der  freien  Lebensmittel  führten  nunmehr
bei  verstärkter  Nachfrage  zu  einer  erheblichen  Steigerung  aller  Preise,
die  durch  die  Aussicht  auf  eine  lange  Dauer  des  Krieges  noch  weitere
Kräftigung  erfuhr.  Zucker  war  im  Überfluß  vorhanden;  die  Preise
im  Groß-  und  Kleinhandel  waren  zwar  etwas  der  steigenden  Tendenz
gefolgt,  waren  aber  im  allgemeinen  noch  als  normal  zu  bezeichnen
gewesen.  Da  kam  die  Zeit,  in  der  von  allen  möglichen  berufenen  und
unberufenen  Seiten  auf  die  Möglichkeit  eines  stärkeren  Verbrauches
von  Zucker  hingewiesen  wurde;  Zucker  zur  Streckung  von  Brot,  mehr
Zucker  zu  Süßigkeiten  und  zu  Backwaren  aller  Art,  Zucker  zu  Aufstrichmitteln ­
  als  Ersatz  von  Fetten,  Zucker  ins  Feld  als  Liebesgabe,
kurz  Zucker  für  alles.  Aus  jeder  Bahnfahrt  wurde  man  durch  Anschläge ­
  in  den  Wagen  darüber  belehrt,  daß  der  gute  Deutsche  mehr
Zucker  essen  müßte.  Schon  im  April  1915  kam  es  zu  überraschenden
örtlichen  Stockungen  in  der  Zuckerversorgung.  Die  Gründe  hierfür
waren  mannigfacher  Natur;  sie  sind  teils  in  der  veränderten  Lage
zu  suchen,  in  der  sich  der  Handel  befand,  teils  liegen  sie  in  den
Schwierigkeiten  der  Fabrikation.  Der  Handel  pflegte  in  Friedenszeiten ­
  feinen  Bedarf  meistens  frühzeitig  auf  lange  Zeit  hinaus  zu
decken.  Einerseits  ließ  nun  die  beschränkte  Freigabe  von  Zucker  zum
steuerpflichtigen  Jnlandsvcrbrauche  größere  Deckungskäufe  in  der
Regel  nicht  zu,  und  wo  sie  möglich  gewesen  wären,  wollte  der  Handel
            
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