250 Eisenbahnen: Personenwagen.
in denen oft nicht einmal das Herausziehen (Verbreitern) der Sitze möglich ist, weiß
davon ein Lied zu singen.
Die amerikanischen Wagen — ausgenommen die der Luxuszüge sagen dem mit
deutschen Bahnverhältnissen Vertrauten in Bezug aus Sitzanordnnng nicht zu. Die Sitze
haben eine Rückenlehne nur bis zur Schulterhöhe, so daß man den Kopf nicht anlegen kann,
was natürlich sehr unbequem ist. Man sagt drüben, die kunstvollen Frisuren und Kopf
bedeckungen der Amerikanerinnen gestatteten nicht unsere hohen Lehnen, und bei der großen
Rücksichtnahme, deren sich die Frauen bei den Amerikanern ersreuen, sei dieser Grund aus-
258. Dreiachsiges amerikanisches MrchgestcU.
schlaggebend für die Bauart der Sitze gewesen. Eine ferner uns ganz ungewohnte Unbe
quemlichkeit der letzteren ist die, daß sämtliche Personen in die Fahrrichtung sehend sitzen.
Die Rücklehnen sind umklappbar (Abb. 260) und werden beim Rücklauf der Wagen entgegen
gesetzt eingestellt. Die Unterhaltung wird durch solche Sitzanordnung erschwert; das Reisen
an sich wird freilich für den einzelnen ungenierter, da kein Gegenüber ihn anstarren kann.
Wasch- und Aborteinrichtungen. Die auf längeren Reisen unentbehrlichen
Abort- nnd Wascheinrichtungen kamen znerst auf den amerikanischen, sodann auf
den deutschen Bahnen zur Einführung. Sie fanden bald auf den österreichischen und
englischen Bahnen Nach
ahmung. Dagegen fehlen
sie noch vielfach auf süd-
■« europäischen Linien, die
| überhaupt den Nordbahnen
| an Bequemlichkeit und Rein
lichkeit nachstehen.
$ Heizung. Sehr lang
sam hat sich die heutige
Wagenheizung entwickelt.
Anfangs überhaupt fehlend,
gelangte man verhältnis
mäßig spät dazu, Heizein
richtungen vorzusehen, viel
fach geschah es erst auf An
ordnung der Aufsichts
behörden. Lange Jahre
kannte man dann nur die
gewöhnliche Ofenheizung und Wärmflaschen. Beide Mittel sind fragwürdiger Natur.
Die Ofenheizung, bei der der Ofen gewöhnlich vom Wageninneren, seltener vom
Dache aus bedient wird (Füllofen), erwärmt den Wagen ungleich, ist feuergefährlich, aller
dings billig in der Anlage und im Betriebe und wirksam in der Lüftung, weshalb sie sich
auch heute noch vielfach in den Wagen dritter und vierter Klasse vorfindet, ebenso in
Gepäck- und Postwagen.
Stark verbreitet war die Heizung mittels Wärmflaschen. Es sind dies flache,
etwa 1 m lange Blechgefäße von ungefähr 20 1 Fassuugsraum. Gefüllt mit heißem
259. Polsterung iir de» Magen der preußischen Ktaotskohnrn.