Vorwort des Herausgebers.
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in Übersetzungen eingeführt John Kells Ingram’s „History of Poli
tical Economy“ x ) und das alte, wohl bekannte Buch von Lüigi Gossa
„Einleitung in das Studium der Wirtschaftslehre“ * 2 3 ). Dieses letztere
ist veraltet, ein volles Menschenalter stärkster Entwicklung der
Wissenschaft liegt zwischen heute und seinem Erscheinungsjahr —
und das englische Werk, so lesenswert es noch heute ist, ist in zwie
facher Hinsicht allzu einseitig, um dem Bedürfnis der jungen Gene
ration zu entsprechen.
Erstens nämlich beschränkt es sich ex professo auf die „bürger
liche“ Wissenschaft. In der mir vorliegenden englischen Ausgabe
von 1888 fehlen die Namen St. Simon, Fourier, Owen, Eodbertus,
Proudhon, Marx, um von geringeren Autoren nicht zu sprechen, im
Index und werden, so weit ich sehen kann, nur ein einziges Mal
(p. 209) erwähnt, um die etwas allgemeine Mitteilung zu machen,
daß die sozialistische Theorie auf den deutschen Staatssozialismus
starken Einfluß gehabt hat“). Das ist heute nicht mehr zulässig. Man
kann die bürgerliche Theorie in ihrer Entwicklung nicht verstehen,
ohne die sozialistische genau zu kennen, und vice versa. Sie bilden
eine lebendige historische Einheit, die man nicht auseinander reißen
kann, ohne ihr Verständnis unmöglich zu machen; ihre Wirkung und
Gegenwirkung, der Kampf ihrer Ziele, Wertungen und Gedanken ist
recht eigentlich die Geschichte der Ökonomik, wenigstens von dem
Augenblick an, wo der moderne Kapitalismus entstand — und diese
Zeit ist es gerade, die uns vor allem anderen interessiert.
Wenn Ingram das nicht beherzigt, so liegt das an der zweiten
Einseitigkeit, auf die wir vorwiesen. Da es sich hier um eine Fest
stellung handelt, die auch für die meisten anderen angeführten Autoren
mehr oder weniger zutrifft, sei es gestattet, ein wenig ausführlicher
darauf einzugehen.
Es gibt zwei grundsätzlich verschiedene Weisen, die Geschichte
der nationalökouomischen Doktrinen darzustellen. Die eine legt den
Ton auf das Wort „Geschichte“, die andere auf das Wort „Doktrinen“.
Jene ist vorwiegend historisch, diese dogmenkritisch orientiert
nnd interessiert. Jene bemüht sich vor allem, die Entstehung der
verschiedenen Doktrinen aus ihrem sozialen und ökonomischen Milieu
oder auch aus dem Charakter und Bildungsgang ihrer Schöpfer zu
verstehen (legt, nebenbei bemerkt, aus diesem Grunde sehr großen
so treffliche wie die von H. von Scheel in „Schönbergs Handbuch der pol. Ökonomie“,
reichen für den hier in Betracht kommenden Lehrzweck nicht aus.
') Zweite deutsche Auflage, Tübingen 1905.
2 ) Deutsch von En. Moormeister, Freiburg i. B. 1880.
3 ) In der deutschen Auflage von 1905 stehen sie zwar im Index, werden aber
auch nur ein einziges Mal an der korrespondierenden Stelle (p. 267) erwähnt.