Uebergang zu höherhaltigen Salzen
Die Lagerstätten enthalten die Kalisalze in verschiedener Zusammensetzung;
die bekanntesten Rohsalzarten sind Hartsalz, Sylvinit und Carnallit.
In dem zuerst ausgebauten Staßfurter Bezirk spielte Carnallit unter den Salzen die
wichtigste Rolle, so daß diese Kalisalzart in den ersten Jahrzehnten durchaus über-
wog. Um 1880 entfielen 80 bis 85 % der geförderten Rohsalze auf Carnallit, 1913
waren es noch 46 bis 47 %, 1928 dagegen nur noch 16,5 %. Teilweise zeigt sich in
dieser Verschiebung die gesteigerte Bedeutung auch anderer Reviere neben dem
Staßfurter, teilweise aber handelt es sich, besonders in den letzten Jahren, um eine
beabsichtigte Abkehr von der Carnallit-Förderung. Denn erstens enthält Carnallit
etwa 21,5 % Chlormagnesium, das bei der Verarbeitung wieder ausgeschieden werden
muß, zweitens ist der Reinkaligehalt (durchschnittlich 9,8 %) erheblich geringer
als bei Sylvinit (17,4 %) und Hartsalz (13,0 %). Auch dieser Uebergang von Carnallit
zu höherhaltigen Kalisalzen ist eine wichtige Rationalisierungsmaßnahme, auf die
es in erster Linie zurückzuführen ist, daß der durchschnittliche Reinkaligehalt der
geförderten Salze 1928 13,3 % betrug gegenüber nur 10,3 % 1913. Dennoch ist —
wiederum ein Zeichen rationellerer' Wirtschaft — die Gewinnung der bei der
Carnallit- Verarbeitung anfallenden Nebenprodukte, insbesondere des Chlor-
magnesiums, nicht zurückgegangen, wie ja auch sonst die Nebenprodukte-Erzeugung
die Vorkriegsziffern wesentlich überschritten hat.
Die folgende Tabelle gibt die geschilderte Entwicklung zahlenmäßig wieder’):
Uebergang zu
höherhaltigen
Salzen
1913
1921
1925
1927
1928
Kaligewinnung in 1000 to | Durchschn. : Carnallit-
Geförderte | Reinkali- Reinkali- anteil
Rohsalze gehalt gehalt in % in %
11 607
9196
12 085
11072
12 488
1188
933 |
| 1578
1518 |
1691
10,2 47,3
10,2 48,1
18.0 23,4
18,7 16,0
18.6 16,5
Kostenverminderung und Gewinnerhöhung
Nach der Konzentrierung des Bergbaus auf die rentabelsten Schächte, der
starken Arbeiterverminderung von 49200 im Jahre 1922 auf nicht ganz 22000 An-
fang 1929, der Fabrikationszusammenlegung usw. konnten die Selbstkosten wesent-
lich heruntergedrückt werden. Allein in den Jahren 1926 bis 1928 sanken nach
den Ergebnissen des Enquete-Ausschusses die Gesamtkosten um 22% bei einer
gleichzeitigen Produktionssteigerung um 31 %. In dieser Periode zeigen unter den
Unkosten die wichtigsten Verminderungen: die Stillegungskosten um 54 %, Zinsen
für Fremdkapital um 41 %, Verwaltungskosten um 31 %, Abschreibungen um 26 %,
Lohn- und Gehaltskosten um 9%; die sozialen Aufwendungen blieben un-
verändert®).
5) Zusammengestellt nach dem Enquete-Bericht a. a. 0, S, 17—19.
3) Vgl. Enquete-Bericht a. a. O0. S. 37.