Full text: Die deutsche Kali-Industrie 1930

Uebergang zu höherhaltigen Salzen 
Die Lagerstätten enthalten die Kalisalze in verschiedener Zusammensetzung; 
die bekanntesten Rohsalzarten sind Hartsalz, Sylvinit und Carnallit. 
In dem zuerst ausgebauten Staßfurter Bezirk spielte Carnallit unter den Salzen die 
wichtigste Rolle, so daß diese Kalisalzart in den ersten Jahrzehnten durchaus über- 
wog. Um 1880 entfielen 80 bis 85 % der geförderten Rohsalze auf Carnallit, 1913 
waren es noch 46 bis 47 %, 1928 dagegen nur noch 16,5 %. Teilweise zeigt sich in 
dieser Verschiebung die gesteigerte Bedeutung auch anderer Reviere neben dem 
Staßfurter, teilweise aber handelt es sich, besonders in den letzten Jahren, um eine 
beabsichtigte Abkehr von der Carnallit-Förderung. Denn erstens enthält Carnallit 
etwa 21,5 % Chlormagnesium, das bei der Verarbeitung wieder ausgeschieden werden 
muß, zweitens ist der Reinkaligehalt (durchschnittlich 9,8 %) erheblich geringer 
als bei Sylvinit (17,4 %) und Hartsalz (13,0 %). Auch dieser Uebergang von Carnallit 
zu höherhaltigen Kalisalzen ist eine wichtige Rationalisierungsmaßnahme, auf die 
es in erster Linie zurückzuführen ist, daß der durchschnittliche Reinkaligehalt der 
geförderten Salze 1928 13,3 % betrug gegenüber nur 10,3 % 1913. Dennoch ist — 
wiederum ein Zeichen rationellerer' Wirtschaft — die Gewinnung der bei der 
Carnallit- Verarbeitung anfallenden Nebenprodukte, insbesondere des Chlor- 
magnesiums, nicht zurückgegangen, wie ja auch sonst die Nebenprodukte-Erzeugung 
die Vorkriegsziffern wesentlich überschritten hat. 
Die folgende Tabelle gibt die geschilderte Entwicklung zahlenmäßig wieder’): 
Uebergang zu 
höherhaltigen 
Salzen 
1913 
1921 
1925 
1927 
1928 
Kaligewinnung in 1000 to | Durchschn. : Carnallit- 
Geförderte | Reinkali- Reinkali- anteil 
Rohsalze gehalt gehalt in % in % 
11 607 
9196 
12 085 
11072 
12 488 
1188 
933 | 
| 1578 
1518 | 
1691 
10,2 47,3 
10,2 48,1 
18.0 23,4 
18,7 16,0 
18.6 16,5 
Kostenverminderung und Gewinnerhöhung 
Nach der Konzentrierung des Bergbaus auf die rentabelsten Schächte, der 
starken Arbeiterverminderung von 49200 im Jahre 1922 auf nicht ganz 22000 An- 
fang 1929, der Fabrikationszusammenlegung usw. konnten die Selbstkosten wesent- 
lich heruntergedrückt werden. Allein in den Jahren 1926 bis 1928 sanken nach 
den Ergebnissen des Enquete-Ausschusses die Gesamtkosten um 22% bei einer 
gleichzeitigen Produktionssteigerung um 31 %. In dieser Periode zeigen unter den 
Unkosten die wichtigsten Verminderungen: die Stillegungskosten um 54 %, Zinsen 
für Fremdkapital um 41 %, Verwaltungskosten um 31 %, Abschreibungen um 26 %, 
Lohn- und Gehaltskosten um 9%; die sozialen Aufwendungen blieben un- 
verändert®). 
5) Zusammengestellt nach dem Enquete-Bericht a. a. 0, S, 17—19. 
3) Vgl. Enquete-Bericht a. a. O0. S. 37.
	        
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