272 Sechstes Buch. Viertes Kapitel.
hatte, er eroberte Kiew und setzte Swatopluk von neuem zum
Herrscher der Russen ein.
Verflogen waren mit diesen Vorgängen die Ideen einer
deutschen Universalherrschaft über die Slawen des Ostens, wo⸗—
mit sich Otto J. getragen hatte, und das Wenige von wirk—
licher Macht, was das Reich noch jenseits der Elbe besaß,
schien völlig in Frage gestellt. Boleslaw aber that nun den
letzten Schritt zur Unabhängigkeit: er ließ sich salben und krönen.
Bald darauf starb er, am 17. Juni 1025. Es war der
Wendepunkt der polnischen Geschicke. Denn sofort zeigte sich,
daß der Gedanke des polnischen Großreiches nur im König
Leben und Wahrheit gewesen war. Seine Söhne haderten um
das Erbe; während Mesco sich das ganze Reich anzueignen
suchte, entfloh Otto Bezprim nach Rußland. Es war eine
Lage, recht geschaffen zur Ausnützung durch die Herrschernatur
Kaiser Konrads II. Nach anfänglichen Schlappen drang Kon—
rad im Herbst 1031 im Einverständnis mit Otto Bezprim in
Polen ein: Mesco fügte sich in rascher Nachgiebigkeit; die
Lausitzen fielen ans Reich zurück. Noch wichtiger war freilich,
daß die polnischen Brüder in ferneren Kämpfen die Kraft des
Landes so sehr schwächten, daß der endlich obsiegende Mesco
nicht umhin konnte, zur Sicherung seiner Gewalt sich Deutsch—
land zu nähern. Im Sommer 10383 erschien er auf einem
Tage zu Merseburg, verzichtete auf den Königstitel, leistete
dem Kaiser den Vasalleneid und trat große Teile des westlichen
Polens ab, die wahrscheinlich der Wettiner Dietrich, Graf der
Ostmark, in Verwaltung erhielt.
Der Aufschwung des polnischen Reiches war dahin; hatte
sich Heinrich II. hartnäckig in die Kämpfe mit Polen verbissen,
so war Konrad II. schon in der Lage, sie als Episoden zu be—
handeln, und bald konnte man das Land dem eigenen Verfall
überlassen.
Anders stand es mit dem dechischen Herzogtum in Böhmen.
Es griff tief ins Innere des Reiches ein; es mußte beim Reiche,
fest organisiert und wohl eingeordnet, erhalten bleiben. Nun
bersuchte aber gelegentlich des Thronwechsels von Konrad II.