Full text : Die Arbeiterfrage in der Südrussischen Landwirtschaft

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und  Vesperbrot  und  eine  oder  zwei  Ruhepausen  nehmen  im  Ganzen
nicht  mehr  als  2'k  Stunden  in  Anspruch.
Auf  mehreren  Latifundien  dauert  der  Arbeitstag  18—20  Stunden,
zwei  Stunden  für  Essen  und  Ruhepausen  inbegriffen.
Der  Mäher  z.  B.  fängt  seine  Arbeit  vor  Sonnenaufgang  an  und
hört  eine  Stunde  nach  Sonnenuntergang  auf.  Wenn  man  auch  zwei
Stunden  auf  Mittagessen  mit  Ruhepause,  1  x ]%  Stunden  auf  Frühstück  und
Abendbrot,  noch  20—30  Minuten  auf  verschiedene  Unterbrechungen  der
Arbeit  rechnet,  so  stellt  sich  heraus,  dass  der  Mäher  nicht  weniger  als
13  Stunden  arbeitet.  Der  Tag  des  Mähers  wird  folgendermassen  eingeteilt: ­
  Die  Arbeit  nimmt  13  Stunden  in  Anspruch,  eine  Stunde  braucht  der
Arbeiter  für  etwa  acht  Gänge  vom  Arbeitsplatz  bis  zum  Lager  der  Arbeiter,
2 1 /2  Stunden  für  viermal  Essen,  J / 2  Stunde  für  verschiedene  Ruhepausen,
x l2  Stunde  für  Schlafen  am  Nachmittage,  i / i  Stunde  für  Schleifen  und
Ausklopfen  der  Sense,  5 U  Stunden,  um  sein  Lager  zum  Schlafen  zu  bereiten ­
  und  sein  Nachtgebet  zu  verrichten  —  so  bleiben  ihm  für  den
Schlaf  selbst  nicht  mehr  als  fünf  Stunden.  Einige  Aerzte  berichten, ­
  dass  auf  mehreren  Latifundien  die  Arbeit  zur  Zeit  der  Getreideernte
um  3  Uhr  in  der  Früh  beginnt  und  um  1,  manchmal  um  2  Uhr  nachts
beendet  wird.  >)
Beim  Dreschen  mit  der  Dampfdreschmaschine  wird,  wenn  diese  für
eine  bestimmte  Zeit  gemietet  ist,  auch  in  der  Nacht  bei  Fackeln  oder
bei  elektrischer  Beleuchtung  gearbeitet. 2 )
Am  schwersten  und  am  längsten  ist  die  Arbeit  derjenigen  Arbeiterkategorien,
  die  zu  gleicher  Zeit  als  Gesinde  und  als  Feldarbeiter  dienen.
Hier  müssen  die  Arbeiter  zwei  Arten  von  Arbeiten  hintereinander  verrichten
und  so  wird  der  Arbeitstag  solcher  Arbeiter  und  Arbeiterinnen  noch
länger.  So  z.  B.  arbeiten  die  Tagelöhnerinnen  im  Gouv.  Cherson  gleichzeitig ­
  als  Dienstboten  auf  dem  Hofe,  auf  dem  Felde  und  in  den  Gemüsegärten. ­
  Die  Arbeit  dieser  Arbeiterinnen  beginnt  um  4  Uhr  in  der  Früh,
manchmal  auch  noch  früher,  und  dauert  bis  10  Uhr,  auch  nicht  selten
bis  12  Uhr  nachts.  Es  werden  keine  Ruhepausen  gemacht,  nur  jede
Mahlzeit  nimmt  eine  halbe  Stunde  in  Anspruch.  Nach  der  Arbeit  auf
dem  Felde  und  in  den  Gärten  schafft  die  Arbeiterin  noch  auf  dem  Gutshofe. ­
  Es  sind  bei  solcher  Arbeit  Aufseher  vorhanden,  welche  die
Arbeiterinnen,  sobald  sie  vom  Schlafe  überfallen  werden,  zu  wecken  haben. 3 )

J )  Pissnjatschewsky  a.  a.  D.
-)  Maslow  a.  a.  D.  S.  415.
8 )  Dr.  Freifeld  a.  a.  D.
            
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