Object : Neueste Zeit (Abt. 3)

Neue Weltanschauung.

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daß deren Horizont eben deshalb jenseits der Linie des Er—
kennens liegen müsse: daß er den Standpunkt der empirischen
Wissenschaften übersteigen, daß er transzendental sein müsse!.
Zog man nun aus alledem Schlüsse, so mußte man zu
der Ansicht gelangen, daß es gegenüber Rationalismus wie
Skeptizismus vor allem darauf ankomme, das Verhältnis
unseres Erkennens zu den metaphysischen, besonders den
religiösen Problemen festzustellen, sowie nicht minder dies
Verhältnis zu den empirischen Wissenschaften festzulegen, in—
sofern diese, etwa in einer reinen Mathematik und einer reinen
Physik, über die Grenze der Erfahrungserkenntnis hinaus⸗
wiesen. Kann die „reine Vernunft“ als Inbegriff aller mensch⸗
lichen Erkenntnisvermögen zur Erkenntnis in Sachen der Meta⸗—
physik sowie in Sachen einer etwaigen reinen Mathematik und
Naturwissenschaft gelangen? —: das war mithin die nach
dem geschichtlichen Charakter des Zeitgeistes notwendige Frage⸗
stellung, in der sich das Verlangen nach festen Grundlagen
einer subjektivistischen Erkenntnistheorie ausdrücken mußte und
ausdrückte.
Wir werden nun später sehen, inwiefern insbesondere Kant
dieser Fragestellung in seiner Kritik der reinen Vernunft ge⸗
recht wurde. Das Problem selbst aber lag seit den sechziger
Jahren des 18. Jahrhunderts in der Luft, und in sehr ver—
schiedener Weise hat man es schon vor Kant zu lösen ver—
sucht. Im Jahre 1760 schrieb Tetens seine ‚Gedanken, warum
in der Metaphysik nur wenige ausgemachte Wahrheiten sind“,
1763 stellte die Berliner Akademie eine Preisfrage nach der
Evidenz, deren die Metaphysik fähig sei, 1764 veröffentlichte
Lambert sein Neues Organon, das ganz den soeben besprochenen
Materien gewidmet ist, 1772 forderte Meiners eine Revision

VBgl. dazu Kant, Proleg. 204 Anm.: „Das Wort transzendental
bedeutet nicht etwas, das über alle Erfahrung hinausgeht, sondern was
vor ihr (a priori) zwar vorhergeht, aber doch zu nichts Mehrerem be—
stimmt ist, als lediglich Erfahrungserkenntnis möglich zu machen. Wenn
diese Begriffe die Erfahrung überschreiten, dann heißt ihr Gebrauch
transzendent.“
            
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