Full text : Die Steigerung der Produktivität der deutschen Landwirtschaft im neunzehnten Jahrhundert

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Kälber  und  Rinder  (beide  nur  als  Einzeltiere  betrachtet)  geschlachtet  worden
wären  als  1873,  nicht  stattgefunden.  Dabei  bleibt  aber  noch  folgende
Möglichkeit  bestehen:  Es  können  sich  unter  den  geschlachteten  Tieren
1892  verhältnismässig  weniger  Kälber  und  mehr  ausgewachsene  Tiere  befunden ­
  haben  als  1873  und  auf  diese  Weise  kann  eine  Vermehrung  des
Umsatzes  eingetreten  sein.  Das  wäre  dann  aber,  streng  genommen,  eine
Vermehrung  des  Umsatzes  nicht  infolge  Reduktion  des  Schlachtalters,
sondern  im  Gegenteil  infolge  Erhöhung  desselben,  indem  man  die  Tiere,
welche  1873  als  Kälber  geschlachtet  worden  sind,  1892  erst  im  ausgewachsenen ­
  Zustande  geschlachtet  hätte.  Eine  solche  Verschiebung  hat  nun
in  einem  gewissen  Umfange  tatsächlich  stattgefunden.  Vergleicht  man
nämlich  den  Rindviehstand  von  1873  mit  demjenigen  von  1892,  so  ergibt
sich  folgendes:

1873
1892

Kälber  bis
6  Monate  alt
1469581
1865300

im  Verhältnis
zum  gesamten
Rindvieh
9,31  %
10,62  „

Jungvieh  von
1 / a —2  Jahren
3665965
4180341

im  Verhältnis
zum  gesamten
Rindvieh
23,24%
23,81  „

Kindvieh
überhaupt
15776702
17555694

Aus  den  vorstehenden  Ziffern  geht  hervor,  dass  1892  verhältnismässig
mehr  Kälber  grossgezogen  worden  sind  als  1873.  Wie  viel  dieses  Mehr
betragen  hat,  lässt  sich  aus  der  Rubrik  Jungvieh  von  %—2  Jahren  darum
nicht  genau  feststellen,  weil  die  Tiere  1892  etwas  frühreifer  waren  als  1873
und  darum  1892  verhältnismässig  mehr  Tiere  schon  in  einem  Alter  unter
zwei  Jahren  als  ausgewachsen  geschlachtet  werden  konnten.  In  der  Rubrik
Kälber  bis  6  Monate  alt  sind  die  Zahlen  darum  nicht  ohne  weiteres  miteinander ­
  vergleichbar,  weil  nicht  feststeht,  wieviel  davon  in  den  einzelnen
Jahren  noch  als  Kälber  zur  Schlachtung  gekommen  sein  mögen.  Jedenfalls
kann  man  aber  nicht  behaupten,  dass  1892  so  viel  Tiere  mehr  grossgezogen
worden  seien,  dass  sich  dadurch  der  Umsatz  um  25  %  vermehrt  hätte;
denn  in  diesem  Falle  hätte,  da  1892  verhältnismässig  nicht  mehr  Kälber
geboren  worden  sind  als  1873,  die  Zahl  der  geschlachteten  Kälber  von
26,96  %  im  Jahre  1873  auf  22,5  %  im  Jahre  1892  heruntergehen  und  die
Zahl  der  ausgewachsen  geschlachteten  Rinder  von  11,41%  auf  15,87  °/ 0 1 )
steigen  müssen.  Das  erscheint  aber  nach  den  Ziffern  der  Viehzählungen
als  ausgeschlossen.
Da  es  nicht  unsere  Aufgabe  ist,  die  Steigerung  der  Fleischproduktion
Deutschlands  speziell  von  1873—1892  darzustellen,  so  wollen  wir  hier  die  9

9  Huckert  nimmt  nämlich  mit  Lichtenfeit  (Der  Verbrauch  von  Fleisch  im
Deutschen  Reiche;  Landw.  Jahrbücher  26.  Bd.,  Berlin  1897,  S.  129)  an,  dass  1892  15,87  °/ 0
der  ganzen  Rindviehzahl  als  ausgewachsene  Rinder  und  22,5  °/ 0  der  ganzen  Rindviehzahl
als  Kälber  geschlachtet  worden  seien  oder,  beides  zusammengenommen  und  7  Kälber  gleich
einem  ausgewachsenen  Rind  gesetzt,  19,08  °/ 0  des  ganzen  Rindviehstandes.  1873  seien
dagegen  im  ganzen  (Rinder  -f-  Kälber,  auf  Rinder  umgerechnet)  nur  15,26  °/ 0  geschlachtet
worden.  Da  nun  infolge  der  gleichen  prozentischen  Geburtsziffer  1873  verhältnismässig
ebensoviel  Einzeltiere  unter  dem  Rindvieh  geschlachtet  worden  sind  wie  1892  so  hätten
danach  1873  26,96  °/ 0  des  damaligen  Rindviehstandes  als  Kälher  und  11.41  o/  a j s  ausgewachsene ­
  Rinder  geschlachtet  werden  müssen.
            
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