Object: Mittheilungen aus der Geschäfts- und Sterblichkeits-Statistik der Lebensversicherungsbank für Deutschland zu Gotha für die fünfzig Jahre von 1829 - 1878

Abschnitt IV. 
371 
Auch die historische Erkenntnis mag vielfach mit Analogie 
schlüssen arbeiten; sie berühren hier aber nicht den Kern 
der Sache. In jenem ersten, für ihre Eigenart entscheidenden Teil 
hat die historische Interpretation durchaus nicht den Sinn eines 
Schlusses aus der Analogie. Wir deuten jene gewissen Formen nicht 
deshalb als Arbeit an Säulen, weil es dort so aussieht, wie es überall 
aussieht, wo immer an Säulen gearbeitet wird. Unser eigenes Handeln 
wird uns wohl zum aufklärenden Vorbilde; aber nur so, daß wir einem 
Geschehen auf die Spur kommen, für das uns zum Schlüssel eine ver 
nünftige Erwägung wird, ganz von der Art, wie sie unser eigenes 
Handeln in sich schließt. Von da ab finden wir an den logischen 
Denkgesetzen unseren Rückhalt, die uns keineswegs über sich 
hinaus auf die Erfahrung verweisen, keineswegs zu Analogieschlüssen 
drängen. Das Erschließen des Geschehens hat hier den Sinn, daß wir 
an der Hand jener vernünftigen Erwägung das Geschehen in 
seinen inneren Zusammenhängen durchschauen. In 
solcher Weise steckt hier gleichsam die Logik im Geschehen selber. 
Und danach ist auch das Verhältnis unseres erkennenden Denkens zum 
historischen Geschehen beschaffen. 
Dem historischen Geschehen gegenüber sind wir nicht auf ein 
bloßes Begreifen aus der Analogie beschränkt. So, wie es erschlossen 
ist, enthüllt sich uns ein innerer Zusammenhang dieses Ge 
schehens, der in zweifacher Hinsicht den kausalen Zusammenhang 
übertrumpft. Erstens ist er von einer zwingenderen Natur und 
darf daher unserer Erkenntnis eine höhere Befriedigung gewähren. 
Denn für die Art, in der die Knoten dieses Zusammenhanges ge 
schlungen sind, steht sofort die höchste und letzte Instanz unseres Denkens 
ein, eben die logischen Denkgesetze, mit denen unser ganzes Denken 
und Erfahren steht und fällt. Zweitens ist der Zusammenhang, mit 
dem zugleich dieses Geschehen erschlossen wird, ungleich reicher 
als der Kausalzusammenhang im metahistorischen Geschehen. Ge 
schweige, daß er nur das Nächste an das Nächste ketten würde, weben 
seine Fäden schier grenzenlos hin und her, verflechten das Geschehen 
in sich selbst und über sich hinaus mit anderem Geschehen, und ver 
knüpfen so das Nächste auch noch mit Fernem und Fernstem. 
So steht z. B. das Zurüsten von Säulen mit dem Bau eines Hauses 
oder eines Tempels in Zusammenhang, dieser mit der Schaffung einer 
festen Ansiedlung, diese mit der Behauptung eines vorgeschobenen 
Postens, so daß man schließlich das schlichte Treiben der römischen 
Werkleute ungezwungen als einen Ausfluß der römischen Weltpolitik 
zu erkennen vermag. Solcher Zusammenhänge lassen sich eine Unzahl
	        
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