Full text: Die Nationalökonomie in Frankreich

Allgemeine Yolkswirtschaftslehre 
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der Koordination und Solidarität mit den Fortschritten der 
Kolonisation und des Verkehrs sich zwischen den Nationen 
entwickeln. Schon heute haben die Produzentenkoalitionen und 
die Arbeiterverbände die Tendenz, sich über die Landesgrenzen 
hinaus auszudehnen Der Zusammenhang der wirtschaft 
lichen Interessen wird zweifelsohne die Kultureinheit in der Welt 
herstellen, welche die Gemeinsamkeit der religiösen Anschauungen 
im Mittelalter in Europa verwirklicht hatte“ *). 
Der historische Determinismus Bourguins kommt in dem 
Urteil, daß die allgemeine Konzentrations- und Föderations 
bewegung ein großer historischer Strom ist, den keine mensch 
liche Gewalt aufhalten oder ablenken könnte, voll zur Geltung. 
Gesetze, die das Handwerk schützen, Warenhäuser, Kartelle und 
Trusts bekämpfen wollen u. a. m., werden die natürliche Ent 
wicklung nicht aufhalten. Desgleichen ist der Fortschritt der 
Arbeiterschutzgesetzgebung, der Sozialversicherung usw. nicht 
zu verhindern. „Das soziale Ideal unserer Tage kann nur als eine 
Resultante der historischen Entwicklung aufgefaßt werden“ 2 ). 
Der wesentliche Zug dieses Ideals, welches sich progressiv bei 
den modernen Völkern bildet, ist dessen demokratischer Charakter. 
„Es besteht nicht in einem von der Wirklichkeit abgewendeten 
absoluten Prinzip ; es besteht in der Idee der durch die sittliche 
und materielle Entwicklung der größten Zahl zu verwirklichen 
den Gerechtigkeit“ 3 ). 
Neben der historischen Auffassung des wirtschaftlichen Ge 
schehens ist das demokratische Fühlen und Denken grundlegend 
für Bourguins Weltanschauung. Die Idee, die er sich von 
der Demokratie macht, bringt er, wie die eben zitierte Definition 
zeigt, in engsten Zusammenhang mit dem Hauptpunkt des Eisen 
acher Programms des Vereins für Sozialpolitik. Andererseits 
verbindet er sie mit dem von Ch. Gide und L. Bourgeois 
erneuerten Begriff der Solidarität, den wir im folgenden Kapitel 
dieses Buches besprechen werden. Das Gefühl verbreitet sich 
in unsern Tagen, meint Bourguin, daß der Einzelne die Kultur 
güter, die er genießt, nur zum geringsten Teile sich selbst, zum 
weitaus größten der Arbeit vieler vorhergegangener Generationen 
1) ibid. p. 348, p. 350—351. 
2 ) ibid. p. 352. 
3 ) ibid. p. 353.
	        
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