Full text : Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

1.  Begriff  und  Arten  des  Landels.

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1.  Der  Warenhandel,  d.  h.  der  Lande!  mit  beweglichen  Sachgütern.  Derselbe ­
  nimmt  nicht  nur  geschichtlich,  sondern  auch  mit  Rücksicht  auf  seine  gegenwärtige
und  wahrscheinliche  künftige  Bedeutung  in  der  Volks-  und  Weltwirtschaft  unter  den
Landelsarten  die  erste  Stelle  ein  und  ist  immer  gemeint,  wenn  man  kurzweg  von
Lande!  spricht.
2.  Der  Immobilienhandel,  also  der  gewerbsmäßige  Ankauf  von  Grundstücken ­
  oder  Läusern  zum  Zwecke  des  Wiederverkaufs.  Es  ist  dies  ein  in  der  neueren
Zeit  hier  und  da  auftauchender  Geschäftszweig,  der  aber  voraussichtlich  nur  eine  untergeordnete ­
  volkswirtschaftliche  Bedeutung  behalten  wird.  Der  Bau  von  Läufern  zum
Verkaufe  gehört  nicht  hierher,  wohl  aber  der  Ankauf  größerer  Landgüter  in  der  Absicht,
sie  parzellenweise  wiederzuverkaufen.
3.  Der  Lande!  in  Wertpapieren  (Effekten)  im  weiteren  Sinne,  die  in  zwei
Lanptklassen  zerfallen,  nämlich  Wechsel  und  ähnliche  Wertpapiere  von  nur  kurzer  Existenzdauer, ­
  die  aber  stetig  neu  produziert  und  auf  den  Markt  gebracht  werden,  und  solche
Papiere,  die  eine  aus  längere  Zeit  berechnete  Kapitalanlage  repräsentieren  und  ihren
Inhabern  Zinsen  oder  Dividenden  einbringen  oder  wenigstens  einbringen  sollen.  Sofern
diese  Papiere  eigentliche  Landclsgegenstände  darstellen,  nämlich  sofern  sie  gekauft  werden
zum  Zweck  des  Wiederverkaufs,  sind  die  Bankiers  und  Wechsler,  die  sich  mit  solchen
Geschäften  befassen,  ohne  Zweifel  auch  in  dem  volkswirtschaftlichen  Sinne  als  Kaufleute
anzusehen,  ebensowie  in  ihren  Geschäften  in  Edelmetallen  und  Geldsorten.  In  ihrer
Eigenschaft  als  Kreditvcrmittler  aber  ist  diesen  Anternehmern  eine  besondere  Stellung
in  der  Volkswirtschaft  anzuweisen.  Denn  wenn  sich  ihre  Geschäfte  in  dieser  Richtung
auch  aus  Kreditnehmen  und  Kreditgeben  zusammensetzen,  so  wäre  es  doch  nur  eine
bildliche  und  in  mancher  Linsicht  wenig  passende  Ausdrucksweise,  wenn  man  diese
Operationen  als  ein  Kaufen  von  Kredit  zum  Zweck  des  Wiederverkaufs  darstellen
wollte,  zumal  das  eigene  Kapital  des  Unternehmers  bei  demselben  eine  große  Rolle
mitspielt.  —  Auch  die  Gründung  einer  Aktiengesellschaft  ist  nicht  als  eine  Landelsoperation,
  sondern  als  besondere  Art  der  privatwirtschaftlich  gewinnbringenden  Organisationstätigkeit ­
  anzusehen.
Wie  den  Kredit,  so  schließen  wir  auch  die  persönliche  Arbeit  (abgesehen  von  der
Sklavenarbeit)  von  den  Gegenständen  des  eigentlichen  Landels  aus,  so  daß  zu  den
letzteren  nur  die  eigentlichen  Sachgüter  und  andere  sachlich  dargestellte  Werte  gerechnet
werden.
In  vielen  Fällen  wird  der  Übergang  eines  Guts  von  dem  Produzenten  zum
Konsumenten  nicht  bloß  durch  einen,  sondern  durch  mehrere  selbständige,  d.  h.  auf  eigene
Rechnung  arbeitende  Landelsunternehmer  vermittelt.  Liernach  unterscheidet  man  zwischen
dem  Großhandel  und  dem  Detailhandel:  den  ersteren  vertreten  diejenigen  Kaufleute, ­
  welche,  wenigstens  der  Regel  nach,  nicht  unmittelbar  mit  den  eigentlichen  Konsumenten ­
  in  Verbindung  stehen,  sondern  die  gekauften  Waren  an  Wiederverkäufer  oder
an  Gewerbetreibende  zu  weiterer  Verarbeitung  absehen;  der  letztere  dagegen  hat  die
Aufgabe,  das  Publikum  unmittelbar  mit  allen  Gebrauchs-  und  Verbrauchsgegenständen
zu  versorgen,  die  nicht  direkt  von  den  Produzenten  entnommen  werden.  Der  Großhandel ­
  wird  im  allgemeinen  nur  Waren  in  größeren  Quantitäten  verkaufen,  deren  weitere
Teilung  den  Detaillisten  zufällt.  Der  Detailhandel  aber  ist  in  den  meisten  Fällen
Kleinhandel,  d.  h.  seine  einzelnen  Geschäfte  bewegen  sich  in  kleinen  Summen,  wie
sie  sich  nach  dem  täglichen  Bedürfnis  des  Konsumenten  bestimmen,  und  auch  der  gesamte
Llmsatz  eines  Jahres  bleibt  im  Vergleich  mit  dem  eines  Großhandlungshauses  mäßig.
Doch  gibt  es  auch  Detailhandlungen,  die  sich,  sei  es  hinsichtlich  der  Durchschnittsgröße
ihrer  einzelnen  Verkäufe,  sei  es  ihres  Jahresumsatzes,  mit  den  meisten  Großbetrieben
messen  können.  Lierher  gehören  z.  B.  die  großen  Juwelenlädcn  und  andererseits  die
bazarartigen  Magazine  von  Kleiderstoffen  und  Modewaren  in  den  großen  Städten,
            
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