Full text : Die Entwickelung der eingetragenen Genossenschaften in Preussen während des letzten Jahrzehnts

keit  und  die  Haftfähigkeit  der  kreditnehmenden  Verbände  nach  genauen ­
  und  ins  einzelne  gehenden  Unterlagen,  die  sie  einfordert,
zu  bemessen  pflegt.  Etwa  beabsichtigte  oder  unbeabsichtigteVer-1
  Schleierungen  des  wirtschaftlichen  Standes  bezw.  der  Kreditwürdigkeit ­
  der  Verbandskassen  können  ihr  nicht  wohl  entgehen.
Dagegen  bleibt  es  ein  Mangel  der  heutigen  Genossenschaftsstatistik; ­
  der  auch  der  zentralen  Kreditanstalt  unwillkommen ­
  ist,  daß  keinerlei  Kontrolle  darüber  vorliegt,  in
welchem  Umfange  einzelne  Genossenschafter  doppelt  und  mehrfach ­
  an  verschiedenen  Genossenschaften  als  Mitglieder  beteiligt ­
  sind.  Daß  Mitglieder  von  Produktivgenossenschaften
und  dergl.  auch  Mitglieder  der  am  selben  Orte  oder  in  Nachbarorten ­
  bestehenden  Kreditvereine  oder  von  Absatz-  und
Bezugsgenossenschaften;  Konsumvereinen  sind  usv'..  ist  eine
bekannte  und  an  sich  auch  unbedenkliche  Tatsache.  Es  ist
aber  gelegentlich  festgestellt  worden,  daß  Genossenschafter
mehreren  gleichartigen  Genossenschaften,  z.  B,  Kreditvereinen, ­
  angehören,  und  dazu  kann  nicht  ein  solides  wirtschaftliches ­
  Bedürfnis  geführt  haben;  es  kann  solche  Häufung
vielmehr  leicht  zu  bedenklichen  Erscheinungen  im  Wirtschaftsleben ­
  der  Einzelnen  und  der  Einzelgenossenschaften  führen.

Das  Genossenschaftsgesetz  hat  im  §  68  hiergegen  gewisse
Vorkehrungen  vorgesehen,  allein  in  der  Hauptsache  den  Beteiligten ­
  freie  Verfügung  darüber  gelassen.  Der  Statistik  wäre
eine  dankbare  Aufgabe  gestellt,  -wenn  sie  über  derartige
Doppel-  und  Mehrbeteiligungen  Licht  verbreiten  könnte,  und
sie  würde  sich  dieser  wirtschaftlich-sozialen  Aufgabe  mit  Erfolg ­
  widmen,  wenn  ihr  die  Unterlagen  dazu  zur  Benutzung  vorgelegt ­
  werden  könnten.  Das  wäre  nur  dann  möglich,  wenn
ihr,  wie  es  bei  einigen  Genossenschaftsverbänden  auf  privatem
Wege  schon  geübt  wird,  für  alle  Einzelgenossenschaften  die
|  vollständigen  Abschriften  der  Genossenlisten  amtlich  zugänglich
gemacht  werden  könnten.  Mit  Hilfe  der  Zählkartenmethode
könnte  alsdann  über  die  Zusammensetzung  der  Mitgliedschaft
!  der  Genossenschaften  volles  Licht  verbreitet  werden,  nicht
:  bloß  in  der  Richtung  etwaiger  Doppel-  und  Mehrbeteiligung,
sondern  auch  in  berufsstatistischer  und  anderer  Hinsicht.
Derartige  Wünsche  spricht  die  Statistik  nicht  um  ihrer  selbst
willen  aus;  denn  sie  ist  sich  niemals  Selbstzweck;  sondern
|  sie  verfolgt  dabei  das  Ziel,  das  wirtschaftliche  Leben  zu
fördern  und.  soweit  es  in  ihren  Kräften  steht,  ihm  mit  der
I  Leuchte  der  Wahrheit  voranzugehen.

VIII.  Kreditstatistik.

Die  Geschäftsverbindungen  der  Preußischen  Central-  :
Genossenschafts-Kasse  erstreckten  sich  am  Schlüsse  des
Berichtsjahres  1904/1905  (Etatsjahr  1904),  des  zehnten  seit
Errichtung  der  Anstalt,  auf  51  Vereinigungen  und  Verbands-  !
hassen  eingetragener  Erwerbs-  und  Wirtschaftsgenossenschaften ­
  (Gesetz  vom  31.  Juli  1  g 95  §  2  Ziffer  la  und  2).
Unter  den  51  Verbandskassen  befanden  sich  50  genossenschaftlich ­
  organisierte  und  1  nicht  genossenschaftlich  organisierte ­
  Verbandskasse.  Im  ganzen  waren  in  den  51  mit  der
Preußischen  Central-Genossenscliafts-Kasse  in  Geschäftsverkehr
stehenden  Vereinigungen  und  Verbandskassen  9  711  Genossen-  j
schäften  mit  923  338  Mitgliedern  vereinigt.
Von  den  51  Vereinigungen  und  Verbandskassen  hatten
überwiegend
Verbandskassen  mit  Genossenschaften  u.  Mitgliedern
städtischen  Charakter  (Handwerker ­
  usw.)  19  412  83  322
ländlichen  Charakter  33  9  299  840  016.
Die  19  Verbandskassen  überwiegend  städtischen  Charakters
sind  sämtlich  genossenschaftlich  organisiert.  Von  den  32  Verbandskassen ­
  überwiegend  ländlichen  Charakters  waren  31  ge-  I
nossenschaftlich  und  1  nicht  genossenschaftlich  organisiert,  j
Für  die  Kreditgewährung  der  Preußischen  Central-  '
Genossenschafts-Kasse  wird  davon  ausgegangen,  daß  hei
Genossenschaften  m.  u.  H.  für  alle  Verbindlichkeiten  die
Mitglieder  der  Genossenschaft  mit  ihrem  gesamten  Vermögen
solidarisch  haften,  während  bei  Genossenschaften  m.  b.  H.
kein  Genosse  über  den  Betrag  seiner  Haftsumme  hinaus  für
die  Schulden  der  Genossenschaft  einzutreten  hat.  Dementsprechend ­
  haben  als  Unterlage  der  von  der  Preußischen
Central-Genossenschafts-Kasse  zu  gewährenden  Kredite  hei
Genossenschaften  m.  u.  H.  die  nachgewiesenen  und  ermittelten
Vermögen,  bei  Genossenschaften  m.  b.  H.  die  als  vertretbar
nachgewiesenen  Haftsummen  zu  dienen.
Die  Feststellung  der  Kreditunterlagen  hei  der  einen  mit
der  Preußischen  Centralgenossenschafts-Kasse  in  Geschäftsverbindung ­
  stehenden  nicht  genossenschaftlich  organisierten  ;
Verbandskasse  erfolgt  in  anderer  Weise;  siehe  darüber  unter  B  j
auf  Seite  68.
Die  nachfolgenden  Zahlen  veranschaulichen  die  ein-  i
schlägigen  Verhältnisse  für  das  Geschäftsjahr  (Etatsjahr)  1904.  j-Genossenschaftsentwickelung
  in  Preußen.

A.  Bei  den  genossenschaftlich  organisierten  Verbandskassen.
1.  Verbandskassen.
Es  betrugen  bei  den  Verbandskassen  selbst  und  zwar

die  Mitgliederzahl

a)  bei  den
19  städtischen
genossenschaftlich ­
  organisierten
Verbandskassen

b)  bei  den
31  ländlichen
genossenschaftlich ­
  organisierten
Verbandskassen

zusammen
a  +  b

a)  Genossenschaften  .
b)  Einzel-  n.  sonstige

415  *)

5  7001)

6  1151)

Mitglieder
die  Zahl  der  Geschäfts-43



3  171

3  214

anteile
die  Gesamthaftsuminenl

3  603

109  434

113  037

nach  §139  Gen.-Ges.^f
der  durch  die  P.  C.-G.-K.  1

11  144  000  166  884  000  178  028  000

zur  Verfügung  ge-?
stellte  Kredit...  JO
die  Geschäftsguthaben  der

6  100  500  2 )

46  638  200  52  738  700 2 ).

Verbandskassen  .  .  JL
die  Reserven  der  Ver-1

  812  962

10  476  252

12  289  214

bandskassen  .  ...  JL
also:  eigenes  Vermögen. ­
  d.li.Geschäftsgut-144

  551

1  967  149

2  111  700

haben  u.  Reserven  Jl
die  fremden  Gelder  nach
den  letzten  vorliegenden

1  957  513

12  443  401

14  400  914

Bilanzen  M
das  Verhältnis  der  fremden
Gelder  zum  eigenenVer-6

  747  920

118  743  072

125  490  992

mögen  (unt.  je  100  Jl)
die  eigenen  Wertpapiere

78:22

91:9

90  :10

nach  d.  letzt.  Bilanzen^
die  Aktiva  nach  den  letzten

123  619

5  460  953

5  5S4  572

vorliegend.  Bilanzen  JL
die  Passiva  nach  den  letzt.

8  697  761

131  186  473

139  884  234

vorliegend.  Bilanzen  Jl
der  Gewinn  nach  d.  letzten

8  629  672

130  313  988

138  943  660

vorliegend.  Bilanzen  Jl
der  Verlust  nach  d.  letzt.

75  761

872  485

948  246

vorliegend.  Bilanzen  Jl

7  672

—

7  672.

I11  diesen  Zahlen,  welche  um  3  bezw.  139  und  142  höher  sind
als  die  tatsächlichen  Mitgliederzahlen,  sind  die  Genossenschaften,
welche  mehreren  Verbandskassen  angehören,  auch  als  „Mitglieder
von  Verbandskassen“  mehrfach  gezählt.
2 )  darunter  M  388  700  Ausnahme-Diskontkredite  auf  erweiterte
genossenschaftliche  Unterlagen.

9
            
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