Full text : Konserven und Konservenindustrie in Deutschland

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amerikanischen  Schlächtereien,  auf  Veranlassung  der  Regierung  ebenfalls ­
  Untersuchungen  über  die  amerikanischen  Schlächtereibetriebe
an  gestellt  wurden.  Diese  Ermittelungen  wurden  in  sehr  ausführlicher
Weise  vom  Departement  of  Commerce  and  Labor  in  Washington  veröffentlicht ­
  und  geben  genaue  Aufschlüsse  über  Vieh,  Fleisch  und
Schlächtereiverhältnisse  der  Vereinigten  Staaten.  Nach  der  Genauigkeit ­
  der  Aufzeichnungen  und  Beschreibungen  in  diesem  Werke  muß
man  annehmen,  daß  die  betr.  Regierungsbeauftragten,  die  die  Berichte ­
  erstatteten  und  bearbeiteten,  sich  monatelang  in  den  Schlächtereibetrieben ­
  zu  ihrer  Orientierung  aufhalten  mußten  und  man  fragt  sich
vergeblich,  wie  es  möglich  war,  daß  ein  Jahr  vorher  diese  Regierungsbeauftragten ­
  von  den  Mißständen,  die  in  den  amerikanischen  Schlächtereibetrieben ­
  bestehen  sollten,  in  einem  ausführlichen  Regierungswerke
auch  nicht  das  Geringste  erwähnen.  Daß  die  sanitäre  Kontrolle,  d.  h.
die  tierärztliche  Untersuchung  der  Tiere  und  des  Fleisches  in  den
amerikanischen  Schlächtereien  unseren  deutschen  Anforderungen  nicht
entsprach,  wissen  wir  ja  längst;  dies  erhellt  ja  aus  der  Tatsache,  daß
in  Chicago  täglich  für  die  Prüfung  von  zehntausend  Schweinen  nur
drei  Tierärzte  vorhanden  sind,  während  bei  uns  in  Deutschland  ein
Tierarzt  oder  Fleischbeschauer  täglich  nie  mehr  als  zwanzig  Stück
untersuchen  darf.  Diese  Tatsache  ist  auch  der  amerikanischen  Negierung ­
  bekannt  gewesen.
Es  würde  der  Regierung  der  Vereinigten  Staaten  ganz  unmöglich ­
  gewesen  sein,  dem  allmächtigen  und  verhaßten  Fleischtrust  olm e
weiteres  strengere  Vorschriften  zu  geben,  obgleich  schon  seit  Jahren
ein  großes  Bedürfnis  dafür  vorlag.  Sollten  da  nicht  vielleicht  auch
die  Regierungsbeamten  bei  ihrer  jetzigen  Revision  der  Betriebe  die
Mißstände  durch  ein  Vergrößerungsglas  angesehen  und  die  durch
Sinclair  entstandene  Stimmung  benutzend,  etwas  grauer  gemalt  haben,
um  mit  Hilfe  der  öffentlichen  Meinung  das  Fleischbeschaugesetz  dem
Fleischtrust  auferlegen  zu  können?
Man  kann  das  wohl  mit  ziemlicher  Bestimmtheit  annehmen,
denn  die  Berichte  der  Regierungsbeauftragten  bringen  nur  allgemeine
Schilderungen,  nie  etwas  Positives.  Die  Darstellungen  in  dem
Sinclairschen  Roman  sind  teilweise  kindlich  naiv.  Nach  Sinclair
wird  in  den  Vereinigten  Staaten  nur  krankes  Vieh  geschlachtet;  rvas
man  mit  dem  gesunden  macht,  darüber  gibt  er  keine  Auskunft-Auch
  in  Deutschland  hat  man  von  Zeit  zu  Zeit  von  nicht  ganz  einwandfreien ­
  Zuständen  in  Schlächtereien  und  anderen  Nahrungsmittel-Unternehmungen
  gehört.  Aber  solche  Ereignisse  gehören  doch  ZLl
den  Seltenheiten  und  man  kann  aus  einem  einzelnen  Falle  nun  nicht
            
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