105
so gestattet doch der Prohibitivzoll auf Roheisen, auch hier eine bedeutende
Menge Roheisen abzusetzen. Die staatlichen Gewehrfabriken
sind hier die Hauptkonsumenten. Der einzige wichtige Konkurrent
des Südens ist auch in diesem Bezirk das Uralgebiet, das die billige
Wasserverbindung ausnutzen kann.
Die Roheisenpreise in Südrußland schwanken gegenwärtig zwischen
46—49 Kop. pro Pud. Seit der Krisis, als die Preise bis auf
36 Kop. pro Pud gefallen waren, haben sie sich relativ nicht wesentlich
gehoben. Die Erklärung dieser Tatsache liegt in der starken
Konkurrenz unter den einzelnen Roheisenproduzenten. Hier fand
keine Kartellierung des Absatzes statt, obwohl eine Reihe von Maß
nahmen in dieser Richtung unternommen wurde. Der Unterschied
in den Selbstkosten bei der Roheisenherstellung in den einzelnen
Hüttenwerken bildet noch immer ein großes Hindernis, für dieses
Produkt ein Syndikat zu bilden. Das spezielle Roheisen, wie Ferrosilicium
usw. ist dagegen schon seit dem Jahre 1902 kartelliert. Die
Kartellierung war so gestaltet, daß die Werke Verträge mit einer
privaten- Firma schlossen, in denen sie diese Firma als einzige Vertreterin
im Verkaufe dieses speziellen Roheisens anerkannten 1 .
Kartelliert sind auch die Produkte des Roheisengusses, wie Röhren usw.
Die Kartellierung der Röhrenproduzenten wird aber bis jetzt geheim
gehalten; die Verwaltung des Syndikats selbst befindet sich in Berlin.
b) Fertige Produkte.
Nach der Krisis im Jahre 1901 wendete sich bekanntlich die
südrussische Eisenindustrie von den Eisenbahnartikeln ab und ging
hauptsächlich zur Produktion von Marktsorten über. Den Markt
für diese Produkte kann man in drei besondere Absatzgebiete zerlegen.
Es sind: 1. Eisenkonsumtion der Fabriken und Werkstätten,
hauptsächlich für die weitere maschinelle Bearbeitung; 2. direkte
städtische und 3. direkte ländliche Konsumtion der Eisenprodukte.
Von größter Bedeutung ist die erste Kategorie. Sie stellt aber
selbst nur einen weiteren Produktionsabschnitt dar, den die Eisenprodukte
durchzumachen haben, um später als Metallerzeugnisse an
die Konsumenten zu gelangen. Ein Teil dieser Eisenerzeugnisse
kommt dann als Reparaturmaterial in den Produktionsprozeß zurück,
ein anderer gelangt an die ländlichen oder städtischen Konsumenten.
Der städtische Verbrauch bildet für die Eisenprodukte ein sehr
wichtiges Absatzgebiet. Die Städte wachsen rascher als die Bevölkerung
im ganzen; dementsprechend wächst auch der städtische
Eisenverbrauch. Die Hauptgegenstände des Absatzes sind hier
Schwellen, Träger, Dachblech usw.
1 Kaffenhaus, a. a. 0., S. 79.