Full text : Die Untersuchung landwirtschaftlich und gewerblich wichtiger Stoffe

Mikroskopische  Untersuchung.  Kokosnuß.  Mohnsamen.

353

die  im  Ursprungslande  direkt  als  kühlendes  Getränk  genossen  wird.  Um  die  Faserschicht ­
  von  den  Steinkernen  zu  entfernen,  wird  die  reife  Frucht  monatelang  in
Wasser  geweicht,  'geklopft,  gewaschen  und  der  entfaserte  Kern  an  der  Sonne  getrocknet. ­
  In  diesem  Zustande  gelangt  die  Kokosnuß  durchweg  zur  Ausfuhr.  Die
Steinschale  läßt  sich  nur  durch  Zerschlagen  mit  Steinen  oder  Hammer  oder  durch  Zersägen ­
  entfernen.  Die  von  der  Steinschale  befreite  Samenschale  wird  entweder  an  der
Sonne  (in  den  Tropen)  oder  künstlich  getrocknet  und  dann  in  üblicher  Weise  entfettet.
Verfälschungen  der  entfetteten  Rückstände  sind  ziemlich  selten;  vereinzelt
sind  Erdnußabfall  und  Steinnußmehl  beobachtet.  Jedoch  wird  das  Fett  der  Kokoskuchen ­
  leicht  ranzig;  auch  kommt  mitunter  havarierte  Ware  vor.
Die  Zellstrukt  ur  der  Kokosnuß  (Fig.  116,  S.  352)  entspricht  der  der  Palmkerne
(Pig.  114,  S.  351).  Auch  von  dem  Endokarp,  der  Steinschale,  gelangen  Reste  mit  in
die  Preßrückstände  des  Samens;  das  Gewebe  der  Steinschale  setzt  sich  wie  bei  den
Palmkernen  aus  langgestreckten,  stark  verdickten,  von  zahlreichen  Porenkanälen
durchzogenen  Steinzellen  zusammen,  deren  spaltenförmige  Lumina  mit  braunem
Inhalt  erfüllt  sind.  Nur  die  Endospermzellen  besitzen  schwächer  verdickte,  etwa
3  ,u  dicke  Zellwände  gegenüber  den  Palrakernen  und  enthalten  zwischen  zahh  eichen
Proteinkörnern  Bündel  von  Fettsäurekristallen.

Mohnsamen,  Papaver  somniferum  L,
Der  Mohnsamen  hat  je  nach  dem  Ursprung  sehr  verschiedene  Farbentöne;  der
ostindische  sieht  weiß  bis  bräunlich  aus,  der  deutsche  grau  und  blau,  der  russische
bläulich,  der  türkische  gelb  und  blau,  der  französische  blau;  aus  dem  Grunde  sehen
auch  die  Preßrückstände  der  Mohnkuchen  bald  hell  bald  dunkel  aus.  Im  Südwesten
Deutschlands  hält  man  die  dunklen  Mohnkuchen  für  geeigneter  zur  Fütterung;  die  hellen
(französischen  hezw.  indischen)  Mohnkuchen  sollen  eine  narkotische  (einschläfernde)
Wirkung  besitzen.  F.  Mach 1 )  konnte  indes  in  denselben  keine  Opiumalkaloide
Nachweisen;  nur  die  Kapselfragmente,  die  sich  in  der  ungereinigten  Saat  befinden,  enthielten ­
  Narkotin  (aber  kein  Morphin  und  Kodein).  Außer  der  einschläfernden  W  iikung
schreibt  man  den  Mohnkuchen  auch  zu,  daß  sie  Bullen  des  Geschlechtstriebes  verlustig
machen.  Ara  besten  eignen  sich  die  Mohnkuchen  als  Mastfutter  für  erwachsene  Rinder.
Verfälschungen  kommen  bei  Mohnkuchen  kaum  vor,  weil  sie  wegen  der  geringen ­
  Nachfrage  meistens  zu  den  verhältnismäßig  billigsten  Kraftfuttermitteln  gehören
und  daher  selbst  nicht  selten  zur  Verfälschung  anderer  teuereren  Futtermittel  (auch  der
Gewürze)  verwendet  werden.  Die  ausländischen,  besonders  die  ostindischen  Mohnkuchen
enthalten  häufig  Verunreinigungen  aller  Art  und  sind  nicht  selten  stark  verschimmelt.
Für  die  mikroskopische  Untersuchung  ist  folgendes  zu  bemerken;
Über  tafelförmigen,  mit  körnigem  Inhalt  gefüllten  Epidermisze  en  le  en
leistenförmige  Erhebungen  hervor,  welche  sich  in  geschlängelten  inien  zu
quadratischen  Figuren  vereinigen  und  die  feine  Äderung  des  Mohnsamens  bewirken
(M  in  Fig.  117,  S.  354).  Die  Samenschale  besteht  aus  6  Schichten,  von  denen  hauptsächlich ­
  die  dritte  und  fünfte  Schicht  kennzeichnend  sind.  Die  unter  der  Epidermis
liegenden  4-  bis  6-seitigen  Parenchymzellen  werden  wegen  ihres  sandig-körnigen
Inhaltes  Kristallzellen  genannt.  ,
Die  dritte  Schicht  wird  von  langgestreckten,  farblosen  oder  braunen,  lest
ineinander  gekeilten  Zellen  gebildet.  Quer  zu  diesen  liegen  poröse,  spindelförmig
gestaltete  Zellen.  Die  fünfte  eigenartigste  Schicht  wird  von  netzig-porbsen,  bei  den
dunklen  Samenvarietäten  mit  braunrotem  Farbstoff  gefüllten,  polygonalen  a  e  zc  en

’)  Landw.  Versuchs-Stationen  1902,
Land-wirtschaftliche  Stoffe,  3.  Auflage.

57,  419.

23
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.