Erstes Kapitel.
Erster Kampf alter und neuer Weltanschauung in
Kirche und Staat; vom Ende der dreißiger bis über
die Mitte der fünfziger Zahre.
Unsere Erzählung hat in den letzten drei Bänden eine Ent—
wicklung von außerordentlicher Reinheit der Umrisse und höchstem
inhaltlichen Interesse durchmessen: einen Zeitraum, auf dessen
Verlauf die Nation allen Grund hat, stolz zu sein. Von ge⸗
ringen Anfängen, aus wirtschaftlich leise zu Höherem befruchteten
bürgerlichen Kreisen, doch auch den reineren Sympathien des
Adels und der Fürsten nicht fern, hatte sich in ihnen eine Kultur
umfangreichster und gewaltigster geistiger Werte erhoben, welcher
Dichtung und Kunst, Wissenschaft und Weltans chauung in gleicher
Weise angehörten. Und diese Kultur hatte es bei einer ab⸗
strakten und äußerlich tatenlosen Betrachtung der Welt nicht be⸗
wenden lassen. Sie hatte Forderungen für ein neues praktisches
Dasein der Einzelpersönlichkeit aufgestellt, die in zahlreichen
Erziehungsversuchen und in einer schließlich mit Erfolg durch⸗
gesetzten Reform des elementaren wie des mittleren und höheren
Schulwesens Ausdruck fanden, und sie hatte auch schon die
Grundlinien eines neuen Staates ins Auge gefaßt; und schmerz⸗
lichste Erfahrungen in den äußeren Schicksalen der Nation hatten
dazu geführt, daß wenigstens die Hindernisse für einen neuen
Aufbau, wie sie die noch bestehenden Trümmerstücke früheren
gesellschaftlichen und Verfassungslebens darboten, zum größeren
Teile hinweggeräumt worden waren.