Full text : Die Untersuchung landwirtschaftlich und gewerblich wichtiger Stoffe

Essig,

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zufließen  läßt,  bis  die  rote  Farbe  eben  in  Blau  übergeht.  Dieses  Verfahren  hat
aber  kaum  Vorzüge  vor  der  gewöhnlichen  Titrationsweise.
4.  Bestimmung  von  Alkohol.  Zur  Bestimmung  des  Alkohols,  welcher  durchweg ­
  nur  in  sehr  geringen  Mengen  verkommt,  werden  etwa  400  ccm  Essig  (von
bekanntem,  spezifischem  Gewicht)  nach  genauer  Neutralisation  abdestilliert,  bis  das
Destillat  200  ccm  beträgt;  letzteres  unterwirft  man  nochmals  der  Destillation,
sammelt  100  ccm  Destillat,  bestimmt  hiervon  das  spezifische  Gewicht  und  liest  den
entsprechenden  Alkoholgehalt  aus  der  Tabelle  von  Helmer  (Tabelle  XVII  am  Schluß)
usw.  ah;  die  so  gefundene  Menge  Alkohol  muß  durch  4  dividiert  werden,  um  die
in  400  ccm  vorhandene  Menge  Alkohol  zu  erhalten  usw.
Qualitativ  prüft  man  auf  Alkohol,  indem  man  das  Destillat  mit  einigen
Tropfen  einer  gesättigten  Lösung  von  Jod  in  Jodkalium  (1  Teil  Jodkalium  auf
5—6  Teile  Wasser)  versetzt,  verdünnte  Kalilauge  zufügt,  bis  die  braune  Jodfarbe
fast  verschwunden  ist,  darauf  kurze  Zeit  in  heißes  Wasser  stellt  und  ruhig  erkalten ­
  läßt;  bei  vorhandenem  Alkohol  bildet  sich  ein  gelber  kristallinischer  Absatz
von  Jodoform  bezw.  bei  geringen  Mengen  nur  ein  deutlicher  Jodoform-Geruch.
5.  Prüfung  auf  Aldehyd.  Hierauf  prüft  man  das  Destillat  nach  S.  685.
6.  Prüfung  auf  freie  Mineralsäuren.
a)  Qualitative  Prüfung.  Man  löst  0,1  g  Methylviolett  (und  zwar  B  2
No.  56  von  der  Farbenfabrik  Bayer  &  Co.  in  Elberfeld)  in  1  1  Wasser  und  setzt  zu
20—25  ccm  Essig  4—5  Tropfen  dieser  Lösung  zu.  Bei  Gegenwart  von  freien
Mineralsäuren  entsteht  bei  viel  vorhandener  Mineralsäure  eine  grüne  Farbe,  hei
wenig  vorhandener  Mineralsäure  eine  blaue  Färbung.
Einige,  Tropfen  einer  Lösung  von  Tropäolin  00  erzeugen  sofort  rote
Wolken.  Man  soll  auf  diese  W'eise  noch  0,1—0,05  °/ 0  freie  Mineralsäure  erkennen
können;  nötigenfalls  ist  der  Essig  vorher  zu  konzentrieren.
Oder  man  behandelt  nach  Föhring  den  Essig  mit  einem  Stückchen  hydratischen ­
  Schwefelzinks:  bei  Anwesenheit  von  freien  Mineralsäuren  tritt  Schwefelwasserstoffentwickelung ­
  auf.  Dieses  Verfahren  soll  sich  auch  zur  quantitativen  Bestimmung ­
  eignen.

Wenn  man  50—100  ccm  Essig  unter  Zusatz  von  etwas  Stärke  (0,01  g)  auf  1 / s  eindunstet ­
  und  dann  Jodlösung  zusetzt,  so  tritt  bei  Gegenwart  von  freier  Mineralsäure ­
  (Schwefelsäure)  keine  Blaufärbung  ein,  weil  die  Stärke  in  Zucker  übergeführt
ist;  tritt  dagegen  Blaufärbung  ein,  so  ist  keine  freie  Schwefelsäure  anzunehmen.
A.  Vogel  verwendet  für  den  Zweck  Kaliumjodidstärkelösung, 1 )  welche  sich
durch  geringe  Mengen  freier  Schwefelsäure  nicht  bläut,  wohl  aber  nach  Hinzufügen
von  etwas  Kaliumchlorat  (Bildung  von  HC10).  Man  übergießt  daher  etwas
Kaliumchlorat  mit  dem  zu  prüfenden  Essig,  erwärmt  und  setzt  obige  Kaliumjodidstärkelösung ­
  zu;  bei  Anwesenheit  von  0,2  °/ 0  Schwefelsäure  tritt  Blau-  oder  Violettfärbung ­
  ein.
Wenn  man  ferner  Essig  unter  Zusatz  von  einigen  Körnchen  Zucker  in  einer
weißen  Porzellanschale  auf  dem  Wasserbade  zur  Trockne  verdampft,  so  hinterbleibt
  bei  Gegenwart  von  freier  Schwefelsäure  ein  dunkelbrauner  bis  schwarzer
Heck.  J.  Neßler  wendet  mit  Zuckerlösung  getränkte  Papierstreifen  an,  welche
24  Stunden  in  dem  Essig  hängen  bleiben,  und  welche  bei  Gegenwart  von  freier
Schwefelsäure  gebräunte  Streifen  nach  dem  Trocknen  zeigen.

x )  Zur  Bereitung  derselben  kocht  man  3  g  Kartoffelstärke  mit  250  com  Wasser,
versetzt  mit  1  g  Kaliumjodid  und  0,5  g  Natriumkarbonat,  verdünnt  auf  1 /,,  1,  läßt  absitzen
hebt  vom  Bodensatz  ab  und  verwendet  die  klare  Lösung.
            
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