Full text : Die Untersuchung landwirtschaftlich und gewerblich wichtiger Stoffe

ggg  Beschädigungen  der  Vegetation  durch  Bauch  und  Staub,

durch  ihre  gelben  Spitzen  gegen  die  gleichmäßig  tiefgrttne  Farbe  gesunder  Exemplare ­
  ab.
Nachfolgende  Zeichnungen  geben  ein  Bild  von  dem  äußeren  Aussehen  solcherweise' ­
  beschädigter  Blätter,  wie  sie  in  dem  Werk  „Die  Beschädigung  der  Vegetation
durch  Bauch“  von  Jul.  von  Schröder  und  C.  Keuß,  Berlin  1883,  abgebildet  sind.
Die  Abbildungen:  Blatt  von  Eiche  Fig.  332,  von  Birke  Fig.  333  (S.  899),
von  Eberesche  Fig.  334  (S.  900),  von  Rotbuche  Fig.  335  und  336  (S.  901),  von
Linde  Fig.  337  (S.  902),  Nadeln  von  Fichte  Fig.  338  schwach,  Fig.  339  (S.  902)
stark  beschädigt,  Kiefer  Fig.  340  (S.  903)  stark  beschädigt,  Lärche  Fig.  341
(S.  903)  •—  die  hellen  Stellen  der  Nadeln  sind  gelb  bis  rotbraun  und  bedeuten  die
Beschädigungen  —  sind  nach  der  Natur,  von  Eauchverletzungen  im  Harzgebirge
durch  schweflige  bezw.  Schwefelsäure  hervorgerufen,  aufgenommen,  während
Fig.  342  (S.  903)  Blatt  des  Apfelbaumes,  Fig.  343  Blatt  des  Birnbaumes  und
Fig.  344  (S.  904)  vom  Kirschbaum  durch  Salzsäure  bewirkte  Verletzungen  in  der
Nähe  einer  Fabrik,  welche  Kochsalz  auf  Salzsäure  und  Natriumsulfat  verarbeitete,
darstellen.
Hier  sehen  die  Salzsäureverletzungen  allerdings  etwas  anders  aus  als  die
Verletzungen  durch  Schwefelsäure  bezw.  schweflige  Säure.  Bei  den  Eichen  treten
meistens  Flecken  in  den  Interkostalfeldern  auf,  die  sich  zentrifugal  ausbreiten;  bei
der  Salzsäurewirkung  beginnt  das  Absterben  vom  Bande  her,  so  daß  Blattränderungen ­
  entstehen;  indes  haben  von  Schröder  und  Beuß  bei  eigenen  künstlichen ­
  Versuchen  über  die  Einwirkung  von  schwefliger  und  Schwefelsäure  auf
Blätter  ganz  ähnliche  Randverletzungen  erhalten.
E.  Hartig 1 )  hat  auch  als  äußeres  Kennzeichen  einer  Fichtenbeschädigung
durch  Bauch  die  Erscheinung  angeführt,  daß  bei  abgeschnittenen  Fichtenzweigen ­
  aus  Eauchgegenden,  wenn  sie  wenige  Tage  der  freien  Luft  und  Sonne
ausgesetzt  werden,  eine  graugrüne  Färbung  der  Nadeln  auftritt,  die  gegen  die
freudiggrüne  Färbung  gesunder  Fichtenzweige  erheblich  absticht.  Die  beschädigten ­
  Nadeln  schrumpfen  ein,  werden  trocken  und  fallen  ab.
Gegen  diese  Behauptung  Hartigs  wird  aber  von  E.  Ramann 2 )  geltend  gemacht, ­
  daß  das  von  Hartig  angegebene  Verhalten  bei  jedem  Pichtenzweig  Vorkommen ­
  könne,  daß  auch  ein  deutlicher  Unterschied  im  Nadelfall  hervortrete,  je
nachdem  der  Ast  im  Schatten  oder  im  Licht  gewachsen  sei.  Jede  Eauchbeschädigung
  verursacht  Nadelfall;  aber  nicht  jeder  Nadelfall  darf  auf  Eauchbeschädigung
  zurückgeführt  werden.
b)  Innere  Merkmale  an  Blättern  und  Nadeln.  B.  Hartig  glaubt  (1.  C.),  bei
Fichten  —  nicht  bei  anderen  Nadelhölzern  —  aus  der  Rötung  der  Schließzellen
zu  beiden  Seiten  der  Spaltöffnungsapparate  auf  eine  Beschädigung  durch  schweflige
Säure  oder  Schwefelsäure  enthaltende  Rauchgase  —  Salzsäure  hatte  keine  Eötung
verursacht  —  schließen  zu  können  und  zieht  sogar  diesen  mikroskopischen  Nachweis ­
  der  chemischen  Untersuchung  vor,  ja  hält  letztere  Untersuchung  selbst  für
überflüssig.  Demgegenüber  weist  E.  Ramann  (1.  c.)  mit  Recht  darauf  hin,  daß
bisher  der  Nachweis  nicht  erbracht  ist,  daß  andere  schädigende  Einwirkungen  nicht
auch  eine  Rötung  der  Schließzellen  hervorzurufen  vermögen,  daß  das  von  Hartig
gefundene  Merkmal  bei  Pichten  wohl  ein  Hilfsmittel  hei  dem  Nachweise  von
Rauchbeschädigungen  sei,  daß  dasselbe  aber  kaum  die  chemische  Untersuchung  ersetzen ­
  könne.

1 )  Forstl.  Naturw.  Zeitschr.  1896,  5,  245.
’ 2 )  Zeitschr.  f.  Forst-  und  Jagdwesen  1896,  28,  551.
            
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