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6. Kapitel.
Die Wanderung der Produktionsprinzipien.
8 19. Die ursprünglichen Verbreitungsgebiete der Gerbemethoden.
Eine Untersuchung, welche das Ziel verfolgt, das ursprüngliche
Verbreitungsgebiet der Weißgerberei aufzufinden, und welche daher aus
einer umfangreichen Materialsammlung ein geographisches Bild zu
gewinnen sucht, führt zu dem überraschenden Ergebnis, daß sich die Erdoberfiäche
in bezug auf die jeweils bekannten Gerbemethoden in verhältnismäßig
wenige, große, ziemlich scharf umschriebene Verbreitungsgebiete
einteilen läßt. Ohne hier weitergehende Konsequenzen aus dieser
merkwürdigen Tatsache über den Zusammenhang zwischen den jeweiligen
wirtschaftlichen Zuständen und den in den betreffenden Gebieten enthaltenen
Gerbemethoden zu ziehen, ein Zusammenhang, auf dessen Vorhandensein
wenigstens hingewiesen sei, seien diese großen Verbreitungsgebiete
im folgenden mitgeteilt.
In vielen Gebieten der Erde ist ein eigentlicher Gerbeprozeß nicht
bekannt; mehr oder weniger primitive Fellarbeit findet sich in
Australien, in der Südsee, in Afrika.
Eine eigenartige Form primitiver Fellarbeit, nämlich die Haarlockerung
mit gestandenem Urin, können wir beobachten bei den
hyperbolischen Völkern; aus welchen Gebieten wir uns auch Nachrichten
verschaffen, von Grönland über die Nordhudsonsbay und Nordamerika
bis Unalaschka und bis zu den Tschuktschen Nordasirns, überall wurde
im wesentlichen nach der gleichen Methode gearbeitet; das Gleiche hören
wir von den nordamerikanischen Indianern und den Altperuanern x ).
Verschiedene Berichte über das Leder amerikanischer Ureinwohners erkennen
übereinstimmend die hohe Vollkommenheit jener Ledertechnik an,
und gleiche Urteile finden sich über die Leder der Hyperboreer. Wir
sehen also, es ergibt sich lediglich auf Grund solcher Betrachtungen ein
großes zusammenhängendes Gebiet, und es ist gewiß kein Zufall, daß
dieses gleiche Gebiet auch nach dem Ergebnis anderer Untersuchungen
in einem Punkte als ein zusammengehöriges sich erweist, nämlich aus
der Untersuchung seiner Bewohner. Schon Humboldt glaubte, daß die
Lippert 1886, Bd. I, S. 313.
Deutsche Gerber-Zeitung 1881, Nr. 31; vgl. aucki Biart 1885, S. 212.