Full text : Die Entwicklung der Weißgerberei

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größere  Posten  an  den  Sitz  dieser  Genossenschaften  abzuliefern.  Gelegentlich ­
  haben  sich  auch  die  Metzger  selbst  zu  solchen  Genossenschaften
vereinigt.  An  den  Plätzen  größerer  Häutekonzentrationen  finden  dann
von  Zeit  zu  Zeit  richtige  Auktionen  statt,  bei  welchen  die  angesammelten ­
  Häutematerialien  unter  den  Hammer  kommen  und  in  einzelnen
Losen  dem  meistbietenden  Gerber  zugeschlagen  werden.  Häuteeinkaufsgenossenschaften ­
  mit  kleinem  Gefälle  können  eigene  Auktionen  nicht  abhalten; ­
  sie  stehen  zu  größeren  Häuteverwertungsvereinigungen  im  Verhältnis ­
  von  sog.  Nebeninnungen  und  schicken  ihr  Warenmaterial
zu  den  größeren  Auktionen,  um  es  dort  versteigern  zu  lassen.
Auf  die  sich  aus  solchen  Zuständen  für  den  kleinen  Gerber  ergebenden ­
  Verhältnisse  braucht  kaum  hingewiesen  zu  werden.  Wie  oben
den  Juden  der  Verlag  ausdrücklich  gestattet  war,  so  kommt  der  Gerber,
welcher  nicht  selbst  kapitalkräftig  genug  ist,  zu  diesen  Auktionen  mit  dem
Kommissionär,  um  durch  dessen  Vermittlung  sich  das  nötige  Rohmaterial
zu  verschaffen;  für  den  kleinen  Gerber,  welcher  an  sich  ja  nur  kleine
Lose  erstehen  kann,  ist  aber  auch  das  häufig  nicht  möglich,  so  daß  sich
daraus  für  ihn,  je  nach  seiner  Lage,  der  völlige  Ruin  oder  die  Abhängigkeit ­
  von  einem  kapitalkräftigeren  Handelsmanne  ergibt.

8  41.  Bedarfsdeckung  aus  der  Ferne.
Da  nur  Luxusgegenstände  die  hohen  Transportkosten  einer  nicht  ausgebildeten ­
  Verkehrswirtschaft  vertragen,  so  gilt  im  allgemeinen  der
Verkehr  von  billigen  Rohstoffen,  wie  z.  B.  von  Häuten  und  Fellen,  auf
weitere  Entfernungen  hin  erst  als  eine  Errungenschaft  des  letzten  Jahrhunderts ­
  *).  Diese  Ansicht  findet  ohne  Zweifel  eine  Stütze  in  allen
hier  einschlägigen  Quellen,  aber  viel  mehr  deswegen,  weil  aus  weiter
Ferne  kommende  Luxusgegenstände  sowohl  infolge  ihres  hohen  Preises,
als  auch  infolge  ihres  aparten  Äußeren  viel  mehr  Aufmerksamkeit  erregen ­
  und  daher  auch  viel  eher  die  Neigung  besitzen,  in  die  geschriebenen
Quellen  überzugehen,  als  einfache  Rohmaterialien,  welchen  meist  ihre
Herkunft  nicht  anzusehen  ist;  nur  in  einer  systematisch  durchgeführten
Statistik  werden  auch  die  Rohmaterialien  nicht  vergessen,  und  der
Beweis  für  das  Fehlen  eines  ausgebildeteren  Rohmaterialienhandels
unter  einfacheren  Formen  der  Verkehrswirtschaft  ist  im  allgemeinen  nur
ein  negativer,  insofern  sich  eben  nur  die  Existenz  eines  solchen  nicht
nachweisen  läßt,  während  seine  Nichtexistenz  nicht  bewiesen  werden  kann.
Die  ältesten  unmittelbaren  Quellen  über  den  phönizischen  Handel,
nämlich  die  biblischen  Schriftsteller,  erwähnen  bereits  den  Handel  mit

l )  Vgl.  Büchsenschütz  1869,  S.  6.
            
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