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Hautgattungen gemeinsamen Merkmalen oder Unterschieden, welche bei
der Preisbildung und Verwendung einer Hautart eine wichtige Rolle
spielen; es sind dies die Momente des Alters, des Geschlechtes, der
Farbe J ), der Herkunft und Aufzucht^), endlich der Art der Konser
vierung, letzterer Punkt, wie wir sehen werden, wichtig auch im Zu
sammenhang mit der wirtschaftlichen Organisation der Gerberei, und
neuerdings mit hygienischen und sanitären Problemen.
So lange der junge Organismus noch im Mutterleibe sich befindet
und noch nicht zu selbständiger Existenz gelangt ist, so lange also auch
die natürliche Decke desselben noch mehr phylogenetische Bedeutung als
die Funktion des Schutzes hat, zeichnen sich Haut- und Haarkleid durch
besondere Feinheit, Dünne, Weichheit aus, ein Grund hoher Wert
schätzung dieser Hautmaterialien für besondere Zwecke. Die Strümpfe
der Eskimos sind gearbeitet aus den Fellen der neugeborenen See
hunde 3), in der Ukraine werden die ungeborenen Lämmer zur Erzielung
feinen Pelzwerkes aus dem Mutterleibe geschnitten 4 ), und die Kalmücken
und Tataren legen großen Wert auf die Behandlung neugeborener
Lämmer zur Erzielung einer ähnlichen geschätzten Handelsware °); das
Mittelalter benutzte das seine Pergament aus der Haut der unzeitigen
Frucht, welche gelegentlich beim Schlachten einer trächtigen Kuh anfiel 6 ),
ebenso lieferte die Haut ungeborener Lämmer ein, wegen seiner Feinheit
geschätztes Schreibmaterial 7 ), und auch feine Trommelfelle werden bis
weilen aus der Haut ungeborener Kälber gefertigt s ).
Die Glacegerberei kennt ebenfalls solche Hautmaterialien. In
Lüttich wurden die tot geborenen Kalbfelle mit den Haaren in einer
Präparation von Alaun gegerbt, eine Operation, welche man passer
es blanc nannte, und welche ein geschätztes biegsames Leder lieferte,
um daraus Westen für die Gerber zu machen 9 ); endlich mögen auch
die feinsten französischen Handschuhe, welche man in Eier- und selbst
in Nußschalen verkaufte 10 ), aus solchem Material hergestellt gewesen sein.
Je nachdem dann weiter die jungen Tiere nur mit Milch genährt
wurden oder vor der Schlachtung bereits zu anderen Nährsubstanzen
übergegangen sind, ergibt sich eine verschiedene Beschaffenheit der Haut,
eine Tatsache, welche in manchen Gegenden durch eine besondere Nomen
klatur, wie Räuplinge, Fresser, zum Ausdruck gebracht wird.
Der grundsätzliche Unterschied zwischen jungen und älteren Tieren,
st Vgl. Deutsche Gerberzeitung 1903, Nr. 99.
st Vgl. Schuh und Leder 1901, Nr. 2, 23—25.
st Cranz 1770, Bd. I, S. 183. st Rüst 1814, S. 338.
st Ebenda. st Schauplatz 1775, Bd. II, S. 286.
st Wattenbach 1871, S. 81. st Brüggemann 1857, S. 80.
st Bormans 1863, S. 233. 'st B. d. Erf. 1874, S. 426.