Full text: Die Entwicklung der Weißgerberei

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Amerikas 1 ), mit diesen Dingen beschäftigt, freilich nicht vom Stand 
punkte der Hautkonserviernng aus, sondern unter dem viel wichtigeren 
der Gesundheitspolizei; denn diese tierischen Rohstoffe, die Häute und 
Felle, wie auch die auf ihnen sitzenden Haare, Wolle, Mohair, Roß 
haare sind nicht selten des Substrat einer sehr gefürchteten Infektions 
krankheit, nämlich des Milzbrandes, der jährlich mit großer Konstanz 
seine Opfer an Gesundheit und Leben von Arbeitern namentlich in 
Weißgerbereien und Roßhaarspinnereien fordert; die Technik sucht das 
ihr von der Gesetzgebung gestellte Problem gleichzeitig mit der Kon 
servierung zu lösen, und sie verfolgt dabei dann noch die weiteren 
selbständigen Zwecke, auch andere den Häuten drohende Schäden, wie 
Insekten, Ungeziefer, Motten, Feuchtigkeit^) für das Hautmaterial un 
gefährlich zu machen. Die Schwierigkeiten, welche sich der Lösung einer 
so vielseitigen Aufgabe entgegenstellen, leuchten ohne weiteres ein; denn 
die Konservierung darf den Preis der Rohware nicht allzu sehr ver 
teuern, weil sonst bestimmte Provenienzen ihre Konkurrenzfähigkeit für 
den Weltmarkt verlieren, und die Konservierung soll all jene Schäden 
möglichst vollkommen ausschließen, ohne dabei die immerhin empfind 
lichen und labilen Eiweißsubstanzen der Haut für die vielen nach 
folgenden technischen Prozesse unbrauchbar zu machen. Die Patentlitteratur 
spricht eine beredte Sprache von den vielen Versuchen, welche man hier 
mit verdünnten Säuren 8 * ), mit Ameisensäure 4 ), mit Quecksilberchlorid 6 5 ), 
mit Kochsalz und Salzsäure °), mit Exelsion 7 ), mit Soda 8 ), mit Anti- 
putrind), Karbolsäure"), Formaldehyd"), im Rubner Apparat"), und 
mit anderen ") Methoden gemacht hat, und diese Aufzählung mag viel 
leicht illustrieren, daß Zahl der empfohlenen Mittel und damit erzielte 
Erfolge etwa im umgekehrten Verhältnis stehen. Um nur ein Beispiel 
dafür anzuführen, in welcher Weise sich durch die Konservierung Schäden 
ergeben können: Das Formaldehyd ist ein sehr bequem zu handhabendes 
und billiges Desinfektionsmittel, welches die Haut außerdem in eine 
Art halbgaren Zustand überführt, so daß der Gerber gegen seine An 
wendung nichts einzuwenden hätte, wenn nicht durch Formaldehyd die 
Hautsubstanz chemisch so verändert würde, daß dadurch das gerade für 
den Weißgerber als Nebenprodukt wichtige Leimleder unter Umständen 
völlig wertlos werden kann "). 
i) Collegium 1911, S. 38, 66, 197. -) Mag. Böripar 1908. Nr. 18. 
s ) Dämmer 1911, Bd. III, S. 914. *) Collegium 1911, S. 106. 5 ) Ebenda. 
6 ) Collegium 1911, S. 248. 7 ) Deutsche Gerberzeitung 1892, Nr. 60. 
8 ) Ledertechnische Rundschau 1909, Nr. 44. 
8 ) Deutsche Gerberzeitung 1877, Nr. 90. I0 * ) Wiener 1904, S. 63. 
J1 ) Chem. Repertorium 1907, S. 319. 12 ) Ledermarkt 1910, 67. 
ls ) Ledertechnische Rundschau 1911, Nr. 40—41; Heinzerling 1882, S. 11. 
u ) Allgemeine Gerberzeitung 1907, Nr. 82, S. 2.
	        
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