fullscreen: Das Hotel- und Gastgewerbe

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DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE 
zimmern auftaucht. Es sind dies Namen wie Astoria, West- 
minster, Savoy, Kaiserhof, Fürstenhof, Esplanade, Carlton, 
Majestic, Excelsior, Kurhof, Atlantic usw. Ihnen gesellen sich 
das schon erwähnte Grand und Palast zu. 
Wer nun ein einfaches, gut bürgerliches Haus mit einem 
jener Namen belegen wollte, die im Reisenden die Vorstellung 
einer besonderen Klasse wecken, der würde sich, statt des er- 
hofften Nutzens, nur empfindlichen Schaden zufügen. Denn 
ungeschickte Übertreibungen in der Reklame — auch im Namen 
liegt sie — rächen sich immer. Das Publikum hat sich an die 
Bedeutung dieser Namen ‚bereits gewöhnt und erwartet in 
einem Astoria, Westminster, Savoy, Kaiserhof, Fürstenhof, 
Esplanade, Carlton, Kurhof, Atlantic usw. auch prunkvolle Ge- 
sellschaftsräume, vornehme Salons, Zimmer mit Bad, wie über- 
haupt alle modernsten hoteltechnischen Einrichtungen, und 
es findet es selbstverständlich, daß die Preise auch dem ent- 
sprechend sind. Der bescheidenere Reisende wird so benannte 
Hotels von vornherein bei seiner Wahl ausscheiden. Das in 
Wirklichkeit, seinem ganzen Zuschnitt nach, auf bürgerliche 
Kundschaft angewiesene Haus würde die Gäste daher durch 
einen Namen, der die Vorstellungen von großem und teurem 
Luxus erweckt, nicht anziehen, sondern kopfscheu machen und 
abstoßen. 
Die gleiche Wirkung können die Wörtchen „Grand‘“ und 
„Palast“ haben, sobald sie einem Haus als Name gegeben oder 
dem bisherigen Namen vorgesetzt werden, ohne daß die Lage 
des Hauses, die Einrichtung, der Zuschnitt des Betriebes und 
die Bedienung etwas Grandmäßiges oder Palastartiges haben. 
Es geschah bisher öfter, als es dem Ansehen des Hotelgewerbes 
gut und förderlich ist. Warum eigentlich? Aus falschem Ehr- 
geiz oder um höhere Preise zu erzielen? Wer auf das letzte bei 
der „Taufe“ gerechnet hatte, mit der die grandmäßige oder 
palastartige Umgestaltung des Hauses nicht Hand in Hand ging, 
wird sich wohl immer verrechnet haben. Das Reisepublikum 
ist heutzutage nicht mehr so harmlos, daß das einfache Vor- 
setzen eines Wörtchens genügt, um ihm ein bescheidenes „Hotel 
Union“ als „Grand Hotel Union“, ein schlichtes „Hotel Müller“ 
als „Palast-Hotel Müller‘ erscheinen zu lassen. Er wird sehr 
bald herausfinden, daß „Grand“ oder „Palast“ nur auf dem 
Firmenschild, aber nicht in den Einrichtungen des Hotels ver- 
treten ist, und dem Haus dauernd den Rücken kehren. Die alte,
	        
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