Full text : Die neuere Entwicklung des Petroleumhandels in Deutschland

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Die  meisten  Gesellschaften  stellten  ihre  Tätigkeit  wieder  ein;
viele,  ohne  überhaupt  produktiv  gewesen  zu  sein.  1882:  3127  dz.
betragend,  stieg  die  Produktion  1887  und  1888  auf  je  IO080  dz.,
um  schon  1892  wieder  auf  3681  dz.  zu  sinken.  Seitdem  hob  sie
sich  wieder,  machte  aber  1898  nur  erst  ca.  10  %  der  deutschen
Rohölproduktion  aus,  während  auf  den  Eisass  ca.  90  %  entfielen.
1899/1900  änderte  sich  jedoch  das  Bild,  als  mit  Hilfe  genügenden
soliden  Kapitals  (Deutsche  Bank)  ein  neues,  ergiebigeres  Oelfeld,
eben  die  zweite  Zone  rechts  der  Wietze,  aufgeschlossen  wurde.
1903  betrug  die  Rohölproduktion  von  Wietze  etwa  400000  dz.  im
Gesamtwerte  von  3,2  Millionen  Mark,  das  sind  rund  2 / 3 ,  1904
etwa  680000  dz.,  das  sind  rund  3 / 4  der  gesamten  Rohölausbeute
Deutschlands.  1905  ging  die  Produktion  allerdings  auf  rund  580000
dz.  zurück,  während  die  des  Eisass  sich  ziemlich  auf  der  Höhe
von  1904  hielt.
Neben  den  Aufschlüssen  bei  Wietze  sind  noch  an  anderen
Orten  der  Provinz  Hannover  und  des  Herzogtums  Braunschweig
Oelvorkommen  konstatiert  worden,  aber  von  weit  geringerer
Mächtigkeit.  Vielleicht  sind  tiefere  Bohrungen  von  grösserem
Erfolge  begleitet.  Das  Oelgebiet  ist  aber  wahrscheinlich  noch
grösser,  als  man  bis  jetzt  annimmt.
Wenn  man  die  Produktionsverhältnisse  des  Eisass  und  der
Lüneburger  Pleide  einander  gegenüberstellt,  so  ergibt  sich,  dass
letztere  trotz  ihrer  bedeutend  grösseren  Ergiebigkeit  mit  viel  ungünstigeren ­
  äusseren  Bedingungen  zu  ringen  hat  als  die  elsässische
  Industrie.  Denn  während  z.  B.  dort  die  Oelgerechtsame
dem  Berggesetz  unterstehen,  also  verliehen  werden,  ist  dies  in
Hannover  nicht  der  Fall.  Oel  kann  hier  nicht  gemutet  werden,
sondern  gehört  ähnlich  wie  Kali  und  Salz  dem  Grundeigentümer.
Dieser  Mangel  der  Gesetzgebung  verschaffte  den  Bauern  eine  sehr
günstige  Stellung;  sie  forderten  für  die  Abgabe  ihrer  Oelländereien
übermässig  hohe  Preise  und  Hessen  sich  ausserdem  ein  sehr  hohes
»Fassgeld«  bezahlen  (bis  zu  5  Mk.  für  jedes  geförderte  Fass).
Es  ist  klar,  dass  diese  Umstände  auf  die  Gestehungskosten  sehr
ungünstig  einwirken  und  der  jungen  Industrie  schwere  Fesseln
anlegen.  Die  preussische  Regierung  erliess  zwar  zur  Abstellung
der  grössten  Missstände  1904  ein  Gesetz,  das  die  Erdölgewinnung
der  Kontrolle  der  Bergbehörden  unterstellt.  Da  jedoch  das  Verfügungsrecht ­
  des  Grundeigentümers  dadurch  in  keiner  Weise  beschränkt ­
  wird,  so  kann  man  es  nur  als  eine  halbe  Massregel  an ­
            
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