Full text : Die neuere Entwicklung des Petroleumhandels in Deutschland

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Als  weitere  Vorteile  des  Tankbetriebes  gegenüber  dem  früher
üblichen  Fassgeschäft  sind  zu  erwähnen,  dass  die  Leckage,  die,
besonders  im  Sommer,  oft  viele  Prozent  ausmachte,  ganz  fortfiel,
desgleichen  die  Verunreinigung  und  Trübung  des  Oeles  durch
den  zur  Verböttcherung  der  Fässer  gebrauchten  Leim.  Ferner
brauchten  die  Händler  sich  keinen  Abfüllapparat  auf  eigene  Kosten
mehr  anzuschaffen,  sondern  dieser  wurde  ihnen  gratis  gestellt.
Die  Anlieferung  erfolgte  in  kurzen  Zwischenräumen,  in  jeder  gewünschten ­
  Menge  und  durchaus  regelmässig.  Kleinere  Händler
hatten  nicht  wie  früher  nötig,  ein  ganzes  P'ass,  womit  sie  vielleicht
den  ganzen  Sommer  reichten,  auf  einmal  zu  nehmen,  sondern
brauchten  sich  nur  20  Liter  einschütten  zu  lassen.  Ausserdem
wickelte  sich  der  Detailverkauf  an  die  Kundschaft  viel  reinlicher
und  pünktlicher  (»ich  möchte  fast  sagen:  elegant«  —  Posadowsky
im  Reichstag  in  der  Sitzung  vom  10.  Dezember  1897)  ab.
Da  so  die  Aufnahme  des  Petroleumverkaufs  ganz  wesentlich
erleichtert  wurde,  hat  sich  die  interessante  Folgeerscheinung  gezeigt, ­
  dass  sich  seit  einigen  Jahren  die  Zahl  der  Petroleum  führenden ­
  Krämer  ganz  ausserordentlich  vermehrt  hat.  Klempner,  Grünwarenhändler, ­
  ja  selbst  Bäcker  und  Fleischer  verkaufen  jetzt
Petroleum.  In  Leipzig  wurden  im  Juli  1904,  zwei  Monate  nach
Eröffnung  des  Tankbetriebes,  etwa  1750  Händler  festgestellt.  Bereits ­
  im  Herbst  des  Jahres  1905  war  die  Zahl  um  rund  300  gewachsen ­
  !  Viele  davon  verkaufen  pro  Jahr  ganze  eins,  drei,  fünf
Fass,  verdienen  also  kaum  den  Namen  »Händler«.  Sie  alle
werden  direkt  bedient.  Sie  alle  haben  etwas  Privatkundschaft,
die  den  grösseren  Detaillisten  verloren  geht.  Obwohl  Anhänger
der  Gewerbefreiheit,  halte  ich  es,  wenngleich  es  vom  Standpunkte
der  Gesellschaften  aus  wohl  richtig  ist,  für  ungesund,  solche
Kellerhändler  kleinsten  Kalibers  zum  Einführen  des  Petroleums
zu  ermuntern.  An  jedem  Quartalswechsel  tauchen  Dutzende
neuer  Geschäfte  auf,  während  fast  ebensoviele  »das  Geschäft  aufgeben«. ­
  —  Das  Wachstum  der  Zahl  gerade  der  kleineren  Händler
mag  neben  dem  Umstand,  dass  die  Aufnahme  des  Petroleumverkaufs ­
  überhaupt  keine  Installationskosten  mehr  erfordert,  auch
darauf  zurückzuführen  sein,  dass  die  Reisenden  jetzt,  wo  alles
»eingerichtet«  ist,  nicht  mehr  so  viel  neue  Kunden  gewinnen
können  wie  früher  und  dass  sie,  um  überhaupt  mit  »Anschlüssen«
aufwarten  zu  können,  solche  Elöker  zur  Einführung  des  Oeles  zu
bewegen  suchen.
            
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