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In Frankreich schlossen sich 1899 eine Anzahl von Provinzbanken
als Syndieat des Banques de Province zusammen. Zweck des Syndikates
sollte sein die Erteilung finanzieller Auskünfte an die Mitglieder, Prüfung
von Finanz-, Handels- und industriellen Angelegenheiten, Erleichterungen
bei Beteiligung von Mitgliedern an der Gründung von Gesellschaften und
der Übernahme von Wertpapieren, Erlangung der bestmöglichen Be
dingungen für die Beteiligung von Mitgliedern bei Effektenemissionen.
1904 wurde an Stelle des bisherigen Vereins als ausführendes Organ eine
Aktiengesellschaft, die Societe Centrale du Syndieat des Banques de
Province, gesetzt, deren Mitglieder nur Angehörige des Syndikates durch
Übernahme einer Aktie werden konnten. Schon 1908 partizipierte die
Societe Centrale mit einem Siebentel beim „Grossen Konsortium.“ Ein
Finanzbureau studiert die der Gesellschaft von aussen oder von Mitgliedern
angetragenen Geschäfte, und ein reichhaltiges Archiv steht den Mit
gliedern zur Verfügung. Die rasch wachsende Bedeutung rief einer breitem
Basis, und so wurde 1911 die Gesellschaft erweitert zur „Societe Centrale
des Banques de Province“ mit einem Aktienkapital von 50 Millionen Franken,
das schon 1912 auf 100 Millionen Franken erhöht wurde. Einbezahlt ist ein
Viertel. Obschon bei diesen Erhöhungen eine öffentliche Subskription statt
fand, haben sich doch die Mitglieder des Syndikates das Übergewicht
dadurch gesichert, dass sie für den ihnen reservierten fünften Teil der Aktien
ein privilegiertes Stimmrecht besitzen. Kaufmann urteilt, dass es keinem
Zweifel unterliege, dass die durch die Bankkonzentration ausgelöste Syn
dizierung von grossem Vorteil für die Banken der Provinz gewesen sei,
wenigstens für die kapitalkräftigeren, während den kleinen und kleinsten
Lokalfirmen durch die Syndizierung schwerlich viel geholfen werde. Hier
in diesem Kreise schreite die Konzentration weiter zur Bildung grosser
Regionalbanken. Dieser letzte Punkt wird auch bei Beurteilung unserer
Schweizerverhältnisse zu berücksichtigen sein.
Am 13. November 1911 trat in Zürich eine Konferenz der Ver
treter schweizerischer Klein- und Mittelbanken zusammen,
um über die zu ergreifenden Schritte zum Schutze der kleinen und mittleren
Institute einen vorläufigen Ratschlag zu pflegen. Nach dem gedruckt
vorliegenden Protokoll meldeten sich zur Sitzung über 60 Banken an,
welche an Aktienkapital, Reserven, Obligationen und Spareinlagen die
Gesamtsumme von über 350 Millionen Franken repräsentierten. Vertreten
waren dann in Wirklichkeit etwas weniger Institute (47).
In einer allgemeinen Aussprache wurde konstatiert, dass die Klein-
und Mittelbanken nicht tatenlos der fortschreitenden Entwicklung auf dem
Gebiet des Bankwesens und der sich hier vollziehenden Konzentration