Full text : Preisbewegung landwirtschaftlicher Güter in einigen Teilen Bayerns während der Jahre 1900-1910

Feststellung  u.  Erklärung  der  landwirtschaftl.  Bodeupreisbewegung.  31

die  Zahl  der  Fälle  zuverlässige  Schlüsse  erlaubt,  durchweg  mäßiger.
Daß  dies  der  Fall  sein  konnte,  erklärt  sich  daraus,  daß  der  Gewinn
des  Güterhändlers  nicht  durch  eine  Erhöhung  der  Preise  im  Rahmen
der  einzelnen  Größenklassen  zustande  kommt,  sondern  vor  allem  durch
die  vollzogene  Zertrümmerung  als  solche.  Das  übriggebliebene  Restgut
erzielt  infolge  seiner  nunmehrigen  Zugehörigkeit  zu  einer  kleineren
Güterklasse  naturnotwendig  einen  höheren  Einheitspreis,  welcher  für
ein  Gut  der  gleichen  Größenklasse  auch  bei  Nichthändlerverkäufen  bezahlt ­
  wird.  Vergleiche  innerhalb  der  Händlerpreise,  insbesondere
zwischen  Händlereinkaufs-  und  Händlerverkaufspreisen,  können  wegen
der  vielfach  zu  geringen  Zahl  der  Fälle  nicht  mit  Anspruch  auf  Nichtigkeit ­
  unternommen  werden.  Doch  scheint  die  Preissteigerung  bei  den
Verkaufspreisen  in  den  Größenklassen  2—5  ha  wesentlich  erheblicher  zu
sein  als  bei  der  Größenklasse  5—20  ha.  Diese  Erscheinung  dürfte  dahin
ihre  Erklärung  finden,  daß  sich  der  Händler  beim  Verkauf  dieser  kleinbäuerlichen ­
  Güter  einem  kauflustigeren  Publikum  gegenüber  sieht,  dessen
Zahlungsfähigkeit  er  nicht  selten  durch  Gewährung  langfristiger  Kaufschillingsreste ­
  zu  erhöhen  versteht.  Eine  Zusammenfassung  der  Größenklassen ­
  2—5  und  5—20  ha  zeigt  eine  erhebliche  Preissteigerung  in  den
Jahren  1908  und  1909  mit  30  Proz.,  die  im  Jahre  1910  mit  43  Proz.
ihren  Höhepunkt  erreicht.  Ein  Vergleich  mit  der  gleichen  Zusammenfassung ­
  bei  den  Nichthändlerpreisen  ergibt  ein  Zurückbleiben  der  Preissteigerung ­
  im  Jahre  1903  um  18,  1904  um  20,  1905  um  14,  1906  um  24,
1907  um  23,  1908  um  12,  1909  um  24  und  1910  um  9  Proz.
Das  Gefüge  der  Preisbewegung  bei  den  Stückländereien  (statistischer
Anhang  I)  weist  im  einzelnen  erhebliche  Schwankungen  auf.  Die  Ursache ­
  mag  einmal  in  dem  nicht  völlig  auszumerzenden  Anachronismus
der  Bonitätsklassen  zu  erblicken  sein;  ferner  sei  auch  nochmals  darauf
verwiesen,  daß  Liebhaberpreise  bei  den  Stückländereien  eine  größere
Rolle  spielen  wie  bei  den  landwirtschaftlichen  Anwesen  im  ganzen.  Vergleiche ­
  in  der  Preisbewegung  zwischen  Stückländereien  mit  guter  und
schlechter  Bonität  scheiterten  vor  allem  an  der  zu  geringen  Zahl  der
Fälle  letzterer.  Händlerpreise  und  Nichthändlerpreise  zeigen,  abgesehen
von  einigen  Ausnahmen,  im  Durchschnitt  genommen  keine  allzu  großen
treibt,  wie  man  so  oft  zu  hören  bekommt.  Da  die  absolute  Preisgestaltung
der  Händlerpreise  ungefähr  die  gleiche  ist  wie  die  der  Nichthändlerpreise,
müssen  derartige  preistreibende  Einflüsse  bei  den  Nichthändlerpreisen  ebenfalls ­
  sich  geltend  gemacht  haben.

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