Full text : Frankreichs Bank- und Finanzwirtschaft im Kriege

Erwin  Respondek,

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soweit  sie  zu  Lasten  ihrer  Mitglieder  gingen.  Aus  diesem  Bestreben,
nach  Möglichkeit  für  eine  Abdeckung  der  Verbindlichkeiten  der  dem
Syndikat  zugehörigen  Makler  zu  sorgen,  spricht  deutlich  das  solidarische
Gefühl  dieser  Gruppe,  das  gerade  in  Zeiten  der  Not  nicht  versagt.  —
Durch  die  Krediteröffnung  der  Notenbank  und  die  Ausgabe  eigener
Obligationen  haben  die  Wechselmakler  einen  Kapitalbetrag  von  325
Mill.  Frcs.  zur  freien  Verfügung.  Ihnen  stehen  gegen  500  Mill.  Frcs.
Report-Verbindlichkeiten  gegenüber,  so  daß  immerhin  noch  175  Mill.
Frcs.  vollkommen  ungedeckt  in  der  Luft  schweben.  Dieser  Betrag  wird
noch  wesentlich  dadurch  erhöht  sein,  daß  die  Wechselmakler  den  Diskont  -
und  Lombardkredit  der  Zentralbank  in  nur  geringem  Umfange  in  Anspruch ­
  nehmen  dürften.  Bis  zu  welchen  Summen  sie  im  Laufe  der  Zeit
gelangt  sein  werden,  ist  bisher  nicht  zu  ermitteln  gewesen.  Jedenfalls
werden  die  Makler  in  ihrer  Abneigung  gegen  diese  strenge  Kreditgewährung ­
  nicht  weit  über  den  von  der  „Frankfurter  Zeitung"  im  Dezember
1914  gemeldeten  Betrag  von  50  Mill.  Frcs.  hinausgekommen  sein.  Wenn
es  auch  den  Wechselmaklern  gelungen  ist,  vielleicht  150  Mill.  Frcs.
ihrer  Verbindlichkeiten  auf  diesen  beiden  Wegen  abzudecken,  so  stellt
die  Restsumme  mit  den  im  hilflosen  freien  Markt  lastenden  Verbindlichkeiten ­
  von  etwa  160  Mill.  Frcs.  einen  noch  zu  tilgenden  Gesamtbetrag
von  500—510  Mill.  Frcs.  dar.  Denn  die  ungedeckten  Engagements  der
Coulissiers  müssen  gleichfalls  abgebaut  werden,  wenn  das  Parkett  zur
Liquidierung  schreitet.  Nach  der  Struktur  des  Platzes  können  die  inneren ­
  Zusammenhänge  und  wechselseitigen  Beziehungen  zwischen  Parkett
und  Coulisse  nicht  geschieden  werden.  Eine  Regelung  der  Reportengagements ­
  für  die  Coulissiers  ist  notwendig,  sonst  bedeutet  alle  angebotene ­
  Hilfe  nur  eine  halbe  Maßregel.  Hierbei  boten  eine  Reihe  von
Faktoren  erhebliche  Schwierigkeiten.  Denn  der  freie  Markt  vermag  infolge ­
  seiner  Organisation  der  Bank  von  Frankreich  nicht  die  Sicherheiten
zu  bieten  wie  das  Parkett.  Um  ihr  dennoch  eine  relative  Sicherheit  für
etwaige  Hilfe  geben  zu  können,  entwarfen  die  Coulissiers  in  enger  Anlehnung ­
  an  das  durchgeführte  Abkommen  der  Wechselmakler  mit  der  Notenbank ­
  einen  ähnlichen  Plan.
Vor  Ausbruch  des  Krieges  hatte  jedes  Mitglied  des  freien  Marktes
100  000  Frcs.  in  die  Garantiekasse  der  Coulissiers-Korporation  gezahlt,
wie  dies  bei  einer  jeden  bevorstehenden  Ultimoliquidation  üblich  war.
Nach  Abwicklung  der  Juliliquidation  sollte  die  hinterlegte  Summe
wieder  zurückgelegt  werden.  Dieser  Betrag  —  gegen  11  Mill.  Frcs.  —
wurde  jedoch  mit  der  Prolongation  der  Ultimo-Liquidation  zurückgehalten ­
  und  später  in  „Nat.-Vert.-Wechseln“  angelegt.  Nach  dem
neuen  Plan  soll  nunmehr  dieses  Kapital  als  Grundkapital  für  eine  gemeinschaftliche, ­
  erst  zu  gründende  „Maklerbank“  dienen.  Das  Aktien-Kapital
  ist  auf  44  Mill.  Frcs.  festgesetzt  und  die  eingezahlten  11  Mill.
Frcs.  sollen  hiervon  das  erste  Viertel  bilden.  Diese  „Maklerbank"
hat  die  Aufgabe,  bei  der  eventuellen  Bevorschussung  durch  die  Bank
von  Frankreich  auf  die  laufenden  Reportengagements  den  freien  Maklern
            
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