118
Berufsorganisation gesorgt werden sollte, bedarf keines Hinweises.
Nun haben in gewissem Umfange die Berufsorganisationen selbst,
namentlich der Gewerkverein der Heimarbeiterinnen Deutschlands,
Arbeitsausgaben und Betriebswerkstätten eingerichtet. Ihnen gegenüber
ist bei allen Versuchen, die Aufgabe als Ganzes zu erfassen,
einheitlich und zentral zu organisieren, größte Rücksichtnahme erforderlich.
Wenn auch in der Ueberspannung der Arbeitsvermittlungstätigkeit
durch die Organisationen die Gefahr liegt, daß die
eigentlich gewerkschaftlichen Aufgaben in den Hintergrund treten
und bezeichnenderweise für den gesunden gewerkschaftlichen Geist gerade
in diesen Kreisen, z. B. im Gewerkverein der Heimarbeiterinnen
Deutschlands, davor gewarnt wird, so hat sich doch die Arbeitsbeschaffung
durch den Berufsverband als äußerst wertvolles Agitationsmittel
erwiesen und den Organisationsgedanken in Kreise getragen,
die ihm sonst sicherlich ferngeblieben wären. Aus diesem
Grunde rechtfertigt sich wohl gegenüber den Organisationen eine
besondere Vorzugsstellung, wenn auch andererseits von ihnen Eingliederung
in das Gesamtsystem zu fordern ist.
*
*
Unter allen Umständen muß klargestellt werden, daß Notstandsarbeiten
für Heimarbeiter nur auf größeren staatlichen oder
gemeindlichen Aufträgen aufgebaut werden können. Die hier und
da gemachten Versuche, private Aufträge wechselnder Natur zu übernehmen,
scheitern an technischen Schwierigkeiten. Um z. B. die
Anfertigung besserer Wäsche nach Maß oder nach besonderen Wünschen
des Bestellers gut ausführen zu können, bedarf es nicht nnr
vielseitig und gut geschulter Näherinnen, sondern auch Universalspezialisten
von Direktricen, und diese sind teuer und nur für einen
größeren Betrieb erschwinglich und rentabel. So anerkennenswert
der Programmpunkt, die Arbeiterinnen zu „vielseitigen, erstklassigen
Leistungen" emporzuheben, ist, so schwierig ist er doch in
die Wirklichkeit zu übersetzen. Ganz tüchtige Arbeiterinnen finden
stets auch ohne Hilfe eines gemeinnützigen Vereins ihr Brot. Was