Full text : Die Heimarbeit im Kriege

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Wenige  ein  Genug.  So  wurde  -der  Schwarzwälder  Bauer  der
Typus  des  landwirtschaftlichen  Hausindustriellen.  In  seinen  Verhältnissen ­
  durchdringen  sich  Landwirtschaft  und  Hausgewerbe  so
ganz  und  gar,  daß  ihre  Würdigung  in  das  Gebiet  der  Sozial-,  Gewerbe- ­
  -und  Agrarpolitik  zugleich  fällt."  Eine  Illustration  dazu
bilden  die  in  zwei  Tabellen  zusammengefaßten  Feststellungen  der
Nürtschaftlichen  Verhältnisse  in  den  Amtsbezirken  Waldshut  und
Säckingen,  die  mit  Weberei  durchsetzt  sind.  Danach  liefert  die  Landwirtschaft ­
  25—63  Prozent  des  Einkommens,  Kapitalien  und
Stenten  2—3  Prozent,  Forstwirtschaft  und  sonstige  Arbeit  27—59
Prozent,  die  Heimarbeit  noch  6—16  Prozent.  Aus  den  Untersuchungen ­
  Bittrnauns  ergibt  sich:  „Wo  die  Bevölkerung  nicht  durch
Fabrikarbeit  Verdienst  finden  kann,  bildet  die  Hausindustrie  das
Zünglein  an  der  Wage;  sie  gibt  die  Spitze  des  höchst  bescheidenen
Einkommens,  das  der  Wäldler  zum  Verbleiben  auf  der  Scholle
nötig  hat.  Reicht  auch  dieses  nicht  aus,  so  wandert  er  ab."
Was  eine  lebensfähige  Heimarbeit  an  Förderung  des  Wohlstandes, ­
  Festigung  des  Grundbesitzes  und  Minderung  der  Landflucht ­
  leisten  kann,  zeigt  das  Beispiel  der  Konfektionsheimarbeit  im
Spessart,  über  die  Lauer')  berichtet:  „Nach  Angaben  des  Pfarrers
in  Roßbach  war  der  finanzielle  Zustand  der  Gemeinde  vor  Einführung ­
  der  Konfektionsindustrie  kaum  schlimmer  zu  denken:  kein
Geld  für  Bodenverbefserung,  fiir  Biehanschafsung,  für  Hausreparaturen,
  geschweige  denn  für  ein  neues  Haus,  wenn  das  alte  bald
über  dem  Kopf  zusammenbrach.  Ein  Zustand,  der  für  eine  Reihe
von  Dörfern  im  Spessart,  denen  es  neben  der  unter  ungünstigen
Bedingungen  arbeitenden  Landwirtschaft  an  Arbeitsgelegenheit
fehlte,  charakteristisch  war  (vgl.  Hellmut  Wolfs,  Der  Spessart,
Aschaffenburg  1905).  Die  Bedürfnisse  bezüglich  Nahrung,  Kleidung, ­
  Reinlichkeit  waren  auf  sehr  niedrigem  Niveau.  In  der  Diözese ­
  Fulda  ging  das  Wort:  „Wenn  man  -einen  Lump  draußen  fragt,
wo  er  her  sei,  sagte  -er  sicher:  aus  Roßbach."  Heute  macht  das
Dorf  einen  schmucken  Eindruck.  Jährlich  erstehen  Neubauten,

i)  Lauer,  Landwirtschaft  und  Heimarbeit  in  Deutschland,  Leipzig
1915.
            
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