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ländliche Heimarbeiter lebt wesentlich billiger als der städtische: er
hat an seiner Landwirtschaft einen Rückhalt, betrachtet die Heiniarbeit
nur als Füllarbeit sonst ungenutzter Stunden, und das macht
ihn geneigt, Aufträge ju Löhnen anzunehmen, die weit unter das
Existenzminimum herabsinkeu. Diese Umstände entwerten die
Leistungen derer, die kein eigenes Dach über dem Kopfe haben, keine
eigenen Kartoffeln bauen und rein auf die Heimarbeit angewiesen
sind. Bittmann gibt dieser traurigen Erfahrung einen klassischen
Ausdruck, wenn er sagt: „Eines Hinweises darauf, daß die Heimarbeit
als ländlicher Nebenerwerb die Löhne herabstimmt, bedarf
es ebenso wenig als darauf, daß Ausverkaufsgeschäfte preisdrückend
auf den reellen Handel wirken. Die ländliche Heimarbeit ist ein
ständiger Ausverkauf billiger Arbeitskräfte."
Eines der bekanntesten Beispiele hierfür sind die Lohnherabsetzungen
in der bergischen Sei-denbandweberei unter Hinweis auf
die niedrigen, im Schwarzwald gezahlten Stücklöhne, die (bei etwa
gleichbleibendem Wochenverdienst) mit Einführung des elektrischen
Stromes noch sanken, ein Zeichen, daß auch die technische Vervollkommnung
kein unbedingt wirksames Mittel zur Hebung der Löhne
nebenberuflich tätiger Personen ist. Aehnliches ist in der Pforzheimer
Bijouterie-Industrie zu verzeichnen. Meine persönlichen
Erfahrungen aus Frankfurt a. M. bestätigen das Gleiche: es war
eine übliche Drohung der Unternehmer an die städtischen Heimabbeiterinnen:
„Dann gebe ich die Arbeit aufs Land, da finde ich
Leute genug, die's fiir diesen Lohn und noch billiger machen
wollen!" Und das war eine Drohung , die ihre Wirkung selten
verfehlte.
Die Gefahr, daß die ländliche Hausindustrie die gesamte
Lohnhöhe herabdrückt, ist um so schwerwiegender, als die Heimarbeit
ohnehin sehr ernsten Zeiten entgegengeht. Ein gewaltiger Zustrom
neuer, berufsfreinder und unorganisierter Massen erfolgte
unter dem Druck der Verhältnisse. Man denke nur an die zahlreichen
Kriegerfrauen, Kriegerwitwen, Kriegsinvaliden, zu denen
noch die indirekt durch den Krieg Geschädigten kommen. Dabei sind
die Aussichten für den Absatz im Auslande wie im Jnlande zunächst