Full text : Hundert Jahre J.P. Bachem, Buchdruckerei, Verlagsbuchhandlung, Zeitungsverlag

Himmel  der  Blitz  der  Unterdrückung  auf  die  Volkshalle  herab.
Dem  Geranten  Carl  Jos.  Schmitz-Leven,  der  am  1.  Juli  1854  an  die
Stelle  Bachems  getreten  war,  eröffnete  der  Polizeidirektor  Geiger
in  einem  musterhaften  Beamtendeutsch,  daß  ihm  die  Konzession
als  Gerant  entzogen  werde,  „weil  er  dem  preußenfeindlichen
Treiben  der  Deutschen  Volkshalle,  zu  deren  Verkauf  ihm  die
Konzession  seitens  der  Königl.  Regierung  dahier  am  28.  Juni
v.  J.  erteilt  worden,  durch  deren  Verlag  und  Verkauf  fortwährend
Vorschub  leiste,  er  hierdurch  bewiesen  habe,  daß  er  die  Eigenschaften ­
  nicht  besitze,  welche  bei  seiner  Konzessionierung  vorausgesetzt ­
  worden,  und  er  ferner  nicht  als  ein  ehrenwerter,  unbescholtener ­
  preußischer  Untertan,  was  die  erste  Bedingung  seiner
Konzessionierung  sei,  angesehen  werden  könne“.
Alle  Einsprüche  und  Besprechungen  des  Verbotes  im  Abgeordnetenhause ­
  blieben  fruchtlos;  den  2794  Beziehern  (davon
nur  wenig  über  200  in  Köln)  durfte  nicht  einmal  Mitteilung  von
der  Unterdrückung  gemacht  werden.
Gleichwohl  machte  Josef  Bachem  im  August  1855  noch  einen
Versuch,  die  Herausgabe  einer  kleineren  katholischen  Zeitung
zu  ermöglichen,  die  den  Titel  „Kölner  Tageblatt“  führen  sollte
und  zu  der  Keusch,  der  1853  als  Repetent  an  das  Bonner  Konvikt
berufen  worden  war,  in  Bonn  schon  den  Plan  ausgearbeitet
hatte.  Er  erhielt  aber  von  dem  Polizeidirektor  den  kurzen  Bescheid, ­
  „daß  jedes  politische  Blatt,  welches  unter  Redaktion  des
jetzigen  oder  eines  andern  Redakteurs  in  der  Druckerei  von
J.  P.  Bachem  erscheint,  sofort,  nötigenfalls  unter  Anwendung  von
Gewalt,  unterdrückt  und  die  Druckerei  versiegelt  werden  würde“.

9.  Der  Buchverlag  von  1854  bis  zumTode  Josef  Bachems  1893.
a)  Lambert  Bachems  Tod.
Ausbau  des  schöngeistigen  Verlags.
Es  ist  oben  schon  erwähnt  worden  und  geht  auch  aus  den
Aufzeichnungen  Josef  Bachems  (vgl.  S.  39)  hervor,  daß  dieser  im
Juli  seine  Stellung  als  Gerant  der  Deutschen  Volkshalle  kündigte,
um  sich  nach  dem  Tode  seines  Bruders  ganz  dem  Verlag  widmen
zu  können.  Mehr  und  mehr  waren  in  den  letzten  Jahren  die
            
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