Full text : Ferdinand Lassalle

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Die  Stunde,  die  über  mein  Leben  entscheidet
München,  10.  August,  Freitag  nachts
Alles,  alles  hängt  also  von  dem  Ausgang  dieser  einen
Stunde  ab,  die  über  mein  Leben  entscheidet.  Jetzt  würde
sogar  nicht  einmal  ein  inkonvenabler  Schein  auf  Helene
zurückfallen,  wie  früher  an  jenem  Mittwoch  abends.
Denn  jetzt  nach  jenen  Vorgängen,  nach  der  furchtbarsten
gegen  sie  verübten  Gewalt,  nachdem  sich  sogar  das
oberste  Ministerium  in  München  in  Bewegung  gesetzt
hat,  um  durch  eine  so  auffällige  Demarche  diese  Gewalt  zu
brechen  und  ihr  ihre  Freiheit  wiederzugeben,  nach^allem
diesen  kann  sie  auch  in  den  Augen  der  Welt  das  ohne  den
geringsten  Vorwurf  tun,  was  damals  ganz  anders  war.
Wenn  sie  umgekehrt  vor  dem  Notar  „Nein"  erklärt,
so  ist  das  grenzenloseste  Ridicule  die  Folge  dieses  mit
solcher  Mühe  errungenen  offiziösen  Kommissariats,  so
ist  jede  weitere  Hilfe  für  mich  vernichtet,  kurz,  so  hat
mir  die  Undankbare  und  Treulose  selbst  den  Dolch  in
diese  treue  Brust  gerannt!  Ich  falle  dann  mit  ihrem
und  durch  ihrem  Willen,  ein  furchtbares  Denkmal  davon,
daß  ein  Mann  sich  nie  an  ein  Weib  ketten  soll.  Ich  falle
dann  durch  den  entsetzlichsten  Verrat,  die  schnödeste
Felonie,  welche  die  allsehende  Sonne  je  geschaut  hat.
Alles,  alles,  alles  hängt  also  an  dem  Gewicht  dieser
einen  Stunde!
Ihnen  fällt  also  die  wichtigste,  folgenschwerste  Aufgabe
zu:  Helene,  ehe  dieser  momont,  supreme  naht,  wieder
fest  zu  machen.
Endlich  erhielt  Oberst  Rüstow  von  Helene  eine  Antwort  an
Lassalle.
            
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